Börsenpsychologie – Der Herdentrieb
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Börsenpsychologie – Der Herdentrieb

Ob es um Währungen oder Aktien geht, in all diesen Märkten hat der psychologische Faktor die Oberhand. ,,Die Börse reagiert gerade einmal zu zehn Prozent auf Fakten. Alles andere ist Psychologie.“ André Kostolany. Wie sehr das zutrifft, ist meist bei schlechten Nachrichten zu sehen. Anleger bekommen bei Meldungen, die ihnen Angst um ihr Geld macht, sorgen, sie könnten es verpassen, auf den abfahrenden Zug aufzuspringen.

Oft werden in den Medien Bilder verbreitet, die einen Ansturm auf den Sommerschlussverkauf oder aber den Winterschlussverkauf zeigen. Hysterische Frauen kreischen und kratzen, während sie sich auf die reduzierte Ware in ihrem Kaufhaus stürzen. So oder so ähnlich müsste man es sich metaphorisch vorstellen, im Falle einer Verkaufspanik an der Börse eben analog vice versa.

 

So entsteht der Herdentrieb

Heutzutage können diese Nachrichten, die zum Herdentrieb führen, durch verschiedenste Arten verbreitet werden. Da wären z.B. die früher nicht vorhandenen sozialen Netzwerke im Internet, das Fernsehen, Radio, Mund zu Mund Propaganda, und natürlich die Zeitungen usw.

Die Folge ist ein gleichzeitiges Verhalten, ohne individuelle Entscheidungen selbst zu treffen. Wir verhalten uns völlig entgegengesetzt als zum damaligen Kauf des Titels, da nämlich haben wir uns nicht von Emotionen leiten lassen, zumindest tut das der erfolgreiche Händler nicht, doch jetzt in dieser Panikmache verhalten wir uns irrational, weil wir wissen, andere verhalten sich auch affektiv und emotional.

Der Hauptbestandteil des Tages in meinem täglichen Arbeitstag verbringe ich mit der Suche nach überverkauften bzw. überkauften Devisenpaaren bzw. Aktien. Das mache ich mithilfe von Oszillatoren, die mir zeigen, dass diese und jene Aktie etc. sehr günstig zu diesem Zeitpunkt bewertet ist. Hier spreche ich von einem Zeitraum in der Spanne von einem Tag bis zwei, höchstens drei Tagen. Mit Zuhilfenahme der reinen Markttechnik ist der Titel dann zum Steigen bzw. Fallen verdammt. Dabei ist meine Entscheidung unabhängig davon, ob beispielsweise bei einem Short-Einstieg der Titel aus ökonomischer Sicht Steigerungspotenzial hat. Denn der Titel hat, selbst bei positiver Markttechnik, bedarf an einer Short-Korrektur. Und warum hat er Bedarf daran? Weil andere Menschen vor ihren Bildschirmen sitzen und dasselbe denken. Ein ewig fallender bzw. steigender Titel sieht nicht gesund aus. Das spiegelt nur ein Bruchteil meines recht komplexen Handelsstils wider.

 

Der Herdentrieb ist psychologisch begründet

Zurück zur Marktpsychologie. An der Universität Bonn und Heidelberg wurde 2006 das Kauf- bzw. Verkaufsverhalten von 6.500 Studenten aus 35 verschiedenen Universitäten und deren Fakultäten untersucht. Physiker und Wirtschaftswissenschaftler lagen weit hinten in der Liste der profitablen Personen, die an dem Test teilnahmen. Wer gehörte also zu der Personengruppe die acht Prozent profitabler waren als diejenigen, von denen man vermuten könnte, am Besten abgeschlossen zu haben? Es waren die Psychologen, die angaben, den Zahlen und Fakten misstraut zu haben, sie agierten antizyklisch.

Der erste Börsenkrach nach dem zweiten Weltkrieg am 1987, als der schwarze Montag bekannt, war ein Beispiel für irrationales Verhalten. So fiel der Dow Jones innerhalb eines Tages um 22,6 % (508 Punkte). Zu diesem Geschehen trug wesentlich der computergesteuerte Handel bei. Die großen Banken hatten sehr ähnliche Systeme zur dynamischen Absicherung ihres Portfolios und so kam es zum Kaskadeneffekt, bzw. auch Lawineneffekt genannt.

Das Ergebnis dieses Herdentriebes sind daher selbst erfüllende Prophezeiungen aus oft nicht rationalen Entscheidungsmustern der Anleger. Man möchte ungern aus der Herde aussteigen, wodurch sich oft das zu Grunde liegende Szenario auch einstellt. Unumstritten ist, dass es dadurch auch zu Währungsrisiken und Preisausschlägen kommen kann. Wer zuerst kommt, mahlt eben zuerst.

Handeln Sie smart und schalten Sie die Emotionen aus.

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