Strategien & Wissen

Mit Bollinger Bänder zum Trading-Erfolg

Was sind Bollinger Bänder?

John Bollinger entwickelte die Methode, einhüllende Linien mittels gleitender Durchschnitte herzustellen, die nach oben und unten verschoben werden können. Durch den Bezug auf John Bollinger ist der Name des Indikators selbsterklärend, eine Abwandlung in Ballinger Band ist daher eher zweckentfremdet. Für die Erzeugung von Bollinger Bands verwendete John Bollinger einen Begriff aus der Mathematik, die Standardabweichung, als Maß für die variable Verschiebung. Im Gegensatz zu Envelopes mit feststehendem Prozentsatz können sich diese Linien von selbst variabel den Kursschwankungen anpassen. Das heißt, dass sich diese Bänder während einer Konsolidierungsphase oder vor einem zu erwartenden Ausbruch zusammenziehen und bei Ausbrüchen ausdehnen. Bollinger Bänder umhüllen den Kursverlauf des Underlyings mit einem variablen Abstand. Sie zeigen die Marktvolatilität zum Kursverlauf als Abstände nach oben und unten an. Der Abstand zwischen dem Kurs und einem Bollinger Band wird als Spannbreite bezeichnet. Als Maß für die Verschiebung verwenden die Bollinger Bands die Standardabweichung. Durch Addition oder Subtraktion der Standardabweichung zum gleitenden Durchschnitt erhält man diese 2 Kurven der Bollinger Bänder. Im Verhältnis zu anderen Indikatoren, Oszillatoren oder Envelopes sind Bollinger Bands selbstadjustierend. 95 % der Kurse liegen innerhalb der Bollinger Bänder (2-fache Standardabweichung).

Berechnung der Bollinger Bänder

Ausgangspunkt für die Berechnung bildet der gleitende Durchschnitt. Für das obere Band wird die Standardabweichung mit einem konstanten Faktor multipliziert und zum Durchschnittswert addiert. Das untere Band entsteht durch Subtraktion. Für die Standardeinstellung gilt eine Periode von 20 Tagen mit dem Multiplikationsfaktor 2.

C[t] = Close der gewählten Zeiteinheit t,

n = Anzahl der Zeiteinheiten n Tage, (Standard 20)

BB = Bollinger Bänder

Das mittlere Band: bestehend aus dem arithmetisch gleitenden Durchschnitt

BB[mitte, t] = C[t] (quer) = 1/n (Summe[i=0,n-1]C[t-i]

Das obere Band (entry band) mit der Standardabweichung Sigma[t]:

BB[oben, t] = C[t] (quer) = C[t] + k Sigma[t]

Das untere Band (exit band) mit der Standardabweichung Sigma[t]:

BB[unten, t] = C[t] (quer) = C[t] – k Sigma[t]

Die Berechnung des Faktors k ergibt sich aus den Quantilen der Normalverteilung.

k = 1 bei 68,3 %

k = 2 bei 95,4 %

k = 3 bei 99,7 %

Nach Bollinger gehören für das Finden gültiger Tradingsignale die von Bollinger entwickelten Parameter %b und Bandbreite (Bandwidth) dazu. Ohne diese Parameter sind die Tradingsignale meistens falsch interpretiert. Die Bollinger Bänder sind für Einschätzungen, ob ein Titel über- oder unterbewertet ist, besonders geeignet.

Strategien mit dem Bollinger Band Indikator

Da die Bänder Unterstützungs- bzw. Widerstandscharakter haben, den Trend oder eine Umkehr charakterisieren und die Mittellinie als Trennpunkte der oberen oder unteren Kurspreise zu verstehen ist, gelten die normalen Regeln nach technischer Analyse auch hier entsprechend.

Trendfolgestrategie: Kauf, wenn das obere Band durchbrochen wurde; Verkauf, wenn das untere Band durchbrochen wurde; Stop-Loss wird auf Mittellinie gesetzt.

Gegen-Trend-Strategie: Am oberen Band wird verkauft, am unteren Band wird gekauft. Das Gewinnziel liegt jeweils auf dem gleitenden Durchschnitt.

Auch beim Rangetrading kann mit Bollinger Bänder erfolgreich sein.

Bei der Bollinger-Breakout-Strategie ist der Einstieg schwerer als der Ausstieg. Der Kurs beim Einstieg sollte den Durchschnittswert plus die 2-fache Standardabweichung überschreiten. Beim Ausstieg ist das Unterschreiten der Mittellinie ausreichend. Dadurch kommt es um die Mittellinie zu weniger Fehlsignalen. Kleinere Schwankungen um den gleitenden Durchschnitt führen nicht zu Kaufsignalen.

Einstellung des Indikators

Als Standardwert werden beim Bollinger-Bands-Trading die Perioden auf 20 aufgebaut. Für die Standardabweichung gilt der Faktor 2. Die mittlere Linie, also der gleitende Durchschnitt, sollte gut an den Chartverlauf angepasst werden. Nach dem ersten Up Move aus einer Bodenformation gilt der GD als Unterstützung. Wurde der GD durchbrochen, dann wurde die Periode zu kurz gewählt. Eine Periode war allerdings zu lang, wenn die Korrektur weit ab vom GD endet. Dasselbe gilt für eine Topformation.

Folgende Standardeinstellungen finden allgemein Anwendung:

  • 10 Perioden MA und 1,5 Standardabweichung
  • 20 Perioden MA und 2 Standardabweichungen
  • 50 Perioden MA und 2,5 Standardabweichungen

Bollinger-Bands-Trading

In trendlosen Phasen werden die Bollinger Bänder als Unterstützungs- und Widerstandslevel genutzt. Breakouts werden hier als Extremereignisse gewertet, die keine Kursänderung zur Folge haben. In trendstarken Phasen laufen die Kurse lange Zeit an den Bändern entlang. Mithilfe von RSI, MACD oder OBV werden auftretende Ausbrüche als Trend oder als Trendumkehr bestätigt. Bollinger Bänder sind immer im Zusammenspiel mit anderen Indikatoren eine wertvolle Unterstützung. Bei Divergenzen zwischen Kursverlauf und Indikator kann mit einer Trendumkehr gerechnet werden. Ein starker Trend jedoch liegt vor, wenn der Indikator die Bewegung bestätigt. Dabei wird die Mittellinie als Unterstützungslinie für Korrekturbewegungen benutzt. Bei einer Trendumkehr in einen Abwärtstrend wird die Mittellinie zunehmend zur Widerstandslinie aufwärtsgerichteter Kursbewegungen. Das untere Band wird mehrfach angetestet und gebrochen. Das Ausweiten der Bänder und der starke Anstieg des ADX als Trendstärkeindikator lässt die Kraft des Abwärtstrends erkennen. Umgekehrt verhält es sich bei einem Aufwärtstrend. Der Kurs pendelt zwischen oberen Band und Mittellinie als Unterstützungslinie und durchbricht wiederholt das obere Band.

Bewertungen von Top- und Bodenformationen mit Bollinger Bänder:

Buy-Setup:

Der erste Schenkel einer Bodenformation bildet sich außerhalb des unteren Bollinger Bandes, der zweite Schenkel bildet sich innerhalb der Bänder.

Sell-Setup:

Der erste Schenkel einer Topformation bildet sich außerhalb des oberen Bollinger Bandes, der zweite Schenkel bildet sich innerhalb der Bänder.

Trading-Ansätze

Trendfolgestrategie und Gegen-Trend-Strategie wurden bereits erwähnt.

Einfache Countertrend-Strategie als Tradingansatz:

Hier wird zusätzlich der Indikator RSI (relativer Stärkeindex) verwendet. Die Buy-Stopp-Limits können vor Markteröffnung in den Markt gelegt werden. Der Stopp wird außerhalb des Bollinger-Bandes unterhalb der letzten Kerze platziert. Diesen Einstieg nennt man Long-only-Setup, da die Ausbildung von Topformationen länger dauert als eine Bodenbildung. Bei dieser Strategie legt man ein Bollinger Band über den Kursverlauf. Der Kurs muss das untere Band berühren, der Schlusskurs der Kerze muss aber über dem Band liegen. Zu kontrollieren ist, ob sich eine Divergenz im RSI mit einer Standardeinstellung von 14 Perioden beobachten lässt. Der Abwärtstrend ist in Takt, wenn die Tiefstände im Kursverlauf bestätigt sind. Bestätigt der RSI dies nicht mehr, ist ein Einstiegssignal für eine Long-Position gegeben. Eine weitere Bedingung ist, dass der Kursverlauf das Hoch der Signalkerze innerhalb von 2 Zeiteinheiten überschreiten muss. Die Positionsgröße ist zum Stop unterhalb der Signalkerze anzupassen, um nicht mehr als 2 % des Tradingkapitals zu riskieren. Take Profit erfolgt durch Verkauf oder Teilverkauf am oberen Bollinger Band.

Trading mit ADX Indikator

Der ADX ist ein Trendstärke-Indikator. Der Indikator vergleicht Höchst- und Tiefstkurse innerhalb einer Periode und berechnet Werte, die einen Trend andeuten. Unter Einbeziehung der Schwankungsbreite kann im Vergleich von Auf- und Abwärtsbewegungen die Stärke eines Trends definiert werden.

Es gelten folgend Regeln:

  1. Der ADX steigt im Aufwärtstrend stark an, dann erfolgt ein Kauf am mittleren Band.
  2. Der ADX steigt im Abwärtstrend stark an, dann erfolgt ein Verkauf am mittleren Band.
  3. Der ADX fällt deutlich im Aufwärtstrend, dann erfolgt ein Verkauf am oberen Band.
  4. Der ADX fällt deutlich im Abwärtstrend, dann erfolgt ein Kauf am unteren Band.

Trading mit Stochastik

Als Scalping-Strategie ist das Traden mit Stochastik schnell umzusetzen und leicht nachvollziehbar. Es werden folgende Einstellungen empfohlen:

Timeframe: 5 min

Take Profit: 10 Pips

Stopp/Loss: frei wählbar

Es werden folgende Indikatoren benötigt:

Bollinger Bands (20,0,2)

Stochastic (5,3,3)

Sobald eine Kerze außerhalb des Bollinger Bands schließt und die Stochastik sich über der 80iger oder unter der 20iger Zone befindet, wird ein Einstiegssignal generiert.

Short Signal: Die Kerze schließt außerhalb des oberen Bollinger Bandes. Die Stochastik ist über der 80iger Zone.

Long Signal: Die Kerze schließt außerhalb des unteren Bollinger Bandes. Die Stochastik ist unter der 20iger Zone.

Bollinger Bänder und Candle Trading

Eine besondere Kerzenart ist der Doji. Der Doji ist eine Art Kerzenhalter mit keinem oder sehr kleinen Körper und langem Docht. Hierzu werden die verschiedensten Arten von Dojis gerechnet. Beim Rickshaw Man Doji ist der kleine Körper für das Öffnen und Schließen der Preise in der Mitte mit gleich langen Dochten nach oben und unten. Der Gravestone Doji besitzt keinen unteren Docht und der Dragonfly Doji ist das Gegenteil und besitzt keinen oberen Docht. Steht ein Doji alleine oben am Top oder unten am Boden einer Kerzenformation, nennt man den Doji Star (Stern). Es gibt den Evening Doji Star und den Morning Doji Star. Steht der Doji Star an der Spitze eines Aufwärtstrends, so nennt man ihn Evening Doji Star. Der Doji gilt im Allgemeinen als Umkehrformation und kann dann entweder einen Kauf oder einen Verkauf zur Folge haben. Er kann solange gehandelt werden, bis er sicher das gegenüberliegende Bollinger Band durchbricht bzw. sich wenigstens bis zum gleitenden Durchschnitt Zu beachten ist jeweils die nachfolgende Kerze des Dojis. Folgt sie dem Trend davor, wird der Doji ignoriert.

Ähnlich verhält es sich mit einem Hammer als starkes Umkehrsignal. Hammer und Doji sollten am oberen oder unteren Bollinger Band gebildet sein, um eine Handelsposition einzugehen. Die vorherige Kerze muss den Wandel andeuten und die nachfolgende muss den Hammer oder Doji bestätigen. Hammer oder Doji an der Mittellinie, also am gleitenden Durchschnitt sind in der Regel keine Handelssignale. Mitunter ist der Trend noch so stark, dass Doji mit nachfolgenden bestätigendem Hammer ignoriert werden müssen. Entscheidend ist, wie stark die vorausgehende Kerze im Körper noch war. Es erfordert viel Übung, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

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