Verfallstag
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Der Verfallstag – Hexensabbat

Hexensabbat! Der große Verfallstag! Der dreifache Verfall! Ein gefürchteter Tag an der Börse und er hat viele Namen. Der Verfallstag ist bei Börsianern und Privatanlegern ein Tag des Nägelkauens, weil sich alles unvorhergesehen ändern kann. Es ist zwar noch ein paar Tage hin, bis zum gefürchteten Verfallstag, aber dennoch möchte ich heute etwas näher darauf eingehen. Wie so oft birgt solch ein Tag nicht nur Gefahren, sondern auch Chancen.

Was ist ein Verfallstag?

Im Börsenhandel spricht man oft vom dreifachen Verfallstag. An jedem dritten Freitag des dritten Monats eines Quartals kommt es an den drei wichtigsten Derivatenbörsen zum gefürchteten Verfallstag.

Terminkontrakte, also Futures und Optionen, werden immer nur für eine begrenzte Zeit an der Börse gehandelt. Und zwar meist bis zum nächsten Verfallstag. Ist dieser Tag gekommen, wird die Entwicklung der Werte untersucht und entschieden, ob sie weiterhin gehandelt werden.

So wird am besagten Tag zum Beispiel der Stand des DAX genommen. Dieser Stand dient als Grundlage für die Abrechnungspreise aller Optionen und Futures, die in ihm enthalten sind.
Neben dem großen Verfallstag gibt es noch den so genannten kleinen Verfallstag. Er findet am dritten Freitag eines jeden Monats statt. Auch hier laufen Terminkontrakte aus. Allerdings sehr viel weniger und daher mit weniger Wirkung.

Warum ist der Verfallstag so gefürchtet?

Der Handel an der Börse beruht darauf, dass die Werte von Aktien und Derivaten sich langsam und bis zu einem gewissen Maße vorhersehbar ändern. Am gefürchteten Hexensabbat aber ist es mit dieser Ruhe vorbei. Da Futures und Optionen nach diesem Tag aus dem Handel genommen werden können, wenn sie keine genügend großen Erfolge bringen, verkaufen viele Händler panikartig.

Das sorgt für wilde Veränderungen in der Wertentwicklung, die sich dann auf auch andere Werte auswirken kann. Das Ergebnis ist ein heilloses Chaos. Ein normaler Handel ist an solchen Tagen kaum möglich.

Chancen aus dem Verfall

Einige Profis nutzen diesen gefürchteten Tag aus. Sie suchen Optionen, die wahrscheinlich aus dem Handel genommen werden und kaufen diese zu Spottpreisen ein. Bleiben sie dann dennoch im Geschäft können sie mit großen Gewinnen rechnen, da sie für den Einkauf nur wenig bezahlt haben.

Eine solche Taktik ist aber für sehr erfahrene Trader zu empfehlen. Neulinge oder Privatanleger sollten auf jeden Fall die Finger davon lassen.

Wie kann man sich dieses Wissen zu Nutze machen?

Es ist ja nicht so, dass die Kurse an diesen Tagen absolut unvorhersehbar in die ein oder andere Richtung ausschlagen. Die sichtbaren Kursausschläge beziehungsweise der Verlauf des Preises bis zum besagten Freitag ist oft nur für Tradinganfänger oder „Unwissende“ ungewöhnlich. Zur besseren Erklärung möchte ich den Chart des Open Interest an der Eurex präsentieren:

Diese Grafik visualisert die Call und Put Optionen.
Diese Grafik visualisiert die Call und Put Optionen.

Anhand der langen grünen und roten Balken ist gut zu erkennen, dass sich der Kurs des Dax am 19.09.2014 mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit im Bereich zwischen 9.000 und 9.800 Punkten bewegen wird. Warum? Nun, zum einen liegt eine große Call-Position bei 9800 Punkten, zum anderen eine große Put-Option im Bereich um 9000 Punkte. Würde der Kurs nun weit über oder weit unter diesen Marken notieren, lägen die Positionen im Geld, also im Plus. Die Banken werden also alles daran setzen, den Kurs zur Mittagszeit bei etwa 9.500 Punkten abzuwickeln.

Auch wenn diese Interpretation des Charts keine 100% zuverlässige Analysemethode ist, kann sie doch mit anderen Indikatoren zusammen eine gewisse Aussagekraft besitzen. Wenn Sie beispielsweise überlegen, gerade jetzt eine größere Kaufoption zu tätigen, könnte es ratsam sein, noch eine gute Woche damit zu warten.

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