Devisenhandel
Strategien & Wissen

Der Devisenhandel – Definition, Funktionsweise und Anwendung

Der Devisenhandel einfach erklärt

Devisenhandel bezeichnet den An- oder Verkauf von Forderungen auf Währungen. Dabei wird lediglich ein Recht auf die Währung erworben, nicht aber die Währung selbst. Der Begriff „Devise“ wird häufig als Synonym für „Währung“ benutzt. Devisen sind Anrechte auf ausländische Währungen, die aus Guthaben, Schecks, Obligationen oder Wechseln bestehen können. Der Devisenmarkt ermöglicht den Tausch inländischen Geldes in ausländisches Geld und umgekehrt. Marktteilnehmer sind neben den Banken auch große Industrieunternehmen, Devisenhändler und Handelshäuser. Die Zentralbanken stellen eine wichtige Gruppe auf dem Devisenmarkt dar, weil sie aus wirtschaftlichen oder politischen Gründen in den Markt eingreifen, um zum Beispiel ein wirtschaftliches Gleichgewicht herzustellen.

Der größte Teil des Devisenhandels findet außerbörslich im Interbankenhandel statt. Die Grundformen bilden Devisenkassa- oder Devisentermingeschäfte. Bei Kassadevisen liegen zwischen dem Geschäftsabschluss und dem Tag der Erfüllung maximal zwei Arbeitstage. Das bedeutet, ein Käufer kann innerhalb von zwei Tagen mit der Lieferung rechnen. Es liegt ein reiner Währungstausch vor. Bei Termingeschäften stehen einem Käufer Devisen zu einem späteren Zeitpunkt zu einem vorher festgelegten Kurs zur Verfügung. Dabei haben beide Vertragsparteien die vereinbarten Bedingungen zu erfüllen. Diese Erfüllungen haben unabhängig davon, ob sich die Kurssituation geändert hat, zu erfolgen.

Der Devisenhandel erfolgt immer in Devisenpaaren. Getauscht werden beispielsweise Euro gegen US-Dollar oder US-Dollar gegen Yen. Die Quotierung wird bis zu fünf Stellen hinter dem Komma festgelegt.

Die wichtigsten Devisen

Die Währungen der großen Wirtschaftsräume werden am häufigsten gehandelt. Dazu gehören der US-Dollar, der japanische Yen und der Euro und weitere Währungen aus Ländern, die über starke Finanzplätze verfügen. Hierzu gehören der Schweizer Franken oder das Britische Pfund.

Der Euro ist offizielle Währung der Europäischen Währungsunion (EWWU). Die Einführung des Euro erfolgte 1999 als Buchgeld und 2002 erstmals als Bargeld. Der US-Dollar wurde bereits im 18. Jahrhundert eingeführt. Er galt lange Zeit als die stärkste Währung der Welt. Der Dollarkurs beeinflusst neben dem Rohölpreis sehr stark die Notierungen von Heizöl- und Benzinpreisen. Der Yen ist bereits seit 1871 Zahlungsmittel Japans und stellt neben dem Euro die größte Konkurrenz zum US-Dollar dar. In der Schweiz existiert der Schweizer Franken als Landeswährung schon seit 1850. Der Franken ist seit 1924 auch Zahlungsmittel von Liechtenstein. Die Einführung des britischen „Pfund Sterling“ erfolgte bereits 1750. Das Britische Pfund wurde danach mehrfach umgestellt.

Geschichte des Devisenhandels

Vorreiter des Devisenhandels war das antike Griechenland, bei dem verschiedene „Währungen“ Europas und des Nahen Ostens zusammen kamen. „Geldwechsler“ tauschten Münzen verschiedener Länder oder Städte, indem das Gewicht oder Goldverhältnis gemessen wurde. Ebenso konnten Rohstoffe gegen eine bestimmte Menge von Geld getauscht werden.

Der internationale Devisenhandel wurde 1880 ins Leben gerufen. Es bestand erstmals die Möglichkeit, ausländische Zahlungen auf ein Bankkonto gutzuschreiben. Nach Gründung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank entstanden feste Wechselkurse, die ab 1969 gelockert wurden. 1972 wurden die Wechselkurse freigegeben, was anschließend immer wieder zu Kursschwankungen führte, welche besonders in Krisenzeiten sehr stark waren.

Handel mit Devisen

Devisen EUR/USD

Eine Möglichkeit, mit Devisen zu handeln, sind Devisenkauf- oder Devisenverkaufsoptionen. Hier erhält ein Käufer das Recht, innerhalb eines festgesetzten Zeitraumes einen ganz bestimmten Betrag einer Währung zu einem festgesetzten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Aufgrund des Kaufs und Verkaufs unterschiedlicher Währungen wird ein Wechselkurs zwischen beiden Währungen gebildet. Deshalb wird in den Darstellungen immer ein Währungspaar genannt. Der so gebildete Kurs zwischen zwei Währungen wird als „Cross Rate“ bezeichnet. Ein Kurs von beispielsweise 1,1064 Euro zu US-Dollar bedeutet, dass für den Kauf von einem Euro 1,1064 US-Dollar gezahlt werden müssen.

Der Handel (das „Trading“) mit Devisen erfolgt überwiegend durch Devisenbroker („Forex Broker„) und wird durch elektronische Systeme abgewickelt. „Trade“ bedeutet von seiner Bedeutung her, „Handel“ zu betreiben. Das Trading steht dafür, ein Geschäft abzuschließen beziehungsweise einen „Trade“ zu machen. Beim Devisenhandel bedeutet dies, eine Position zu eröffnen und diese Position entweder mit Gewinn oder mit Verlust zu schließen. Das bekannteste elektronische Handelssystem ist das Forex Trading.

Forex Trading

Forex Trading

Jeder, der im Ausland in einer Bank oder Wechselstube Geld in eine andere Währung getauscht hat, ist mit dem Devisenhandel (Forex Trading) in Kontakt gekommen. Er hat die Erfahrung gemacht, dass es günstige oder weniger günstige Kurse gibt und die Wechselkurse schwankend sind. Handel mit Devisen ist nichts anderes, als die Preisunterschiede zu nutzen, um daraus Gewinne zu erwirtschaften. Es erfolgt kein physischer Erwerb einer bestimmten Währung.

Die Bezeichnung „Forex“ steht für „Foreign Exchange Market“. Es handelt sich um den größten Finanzmarkt der Welt mit einem täglichen Handelsvolumen von etwa drei Billionen US-Dollar. Forex Trading ermöglicht jedem, der über einen entsprechenden Zugang verfügt, täglich 24 Stunden lang am Kapitalmarkt zu handeln. Forex bietet Tradern eine Vielzahl handelbarer Währungspaare. Die sechs wichtigsten Währungspaare werden als „Mayors“ bezeichnet.

Pips
Kursveränderungen bei einem Devisenkurs werden durch „Pips“ dargestellt. Ein „Pip“ steht für „Point in Percentage“ und bezeichnet bei einem Devisenkurs die vierte Stelle hinter dem Komma. Hat man beispielsweise beim Währungspaar Euro/US-Dollar (EUR/USD) zu einem Preis von 1,1064 gekauft und dieser Wert steigt auf 1,1074, hat sich der Kurs um 10 Pips verändert. Selbst die kleinsten Bewegungen können bei Kursdifferenzen, je nach gewähltem Hebel und Spread des Brokers, einen deutlichen Gewinn ausmachen.

Hebel
Der Hebel wird im internationalen Handel als „Leverage“ bezeichnet. Brokern wird dadurch die Möglichkeit gegeben, eine Position zu eröffnen, ohne dass sie Kapital hinterlegen müssen. Bei den meisten Brokern sind Hebel von 1 : 50 bis 1 : 500 zu finden. Beispielsweise ermöglicht ein Hebel von 500, dass mit einem Einsatz von einem Euro ein Volumen von 500,00 € gehandelt werden kann. Steigt der Gewinn der Währung um 0,01 , wird ein Gewinn von 5,00 € erzielt. Genauso kann beim Devisenhandel auf fallende Kurse gesetzt werden. Der Trader setzt in diesem Falle beim Trading nicht auf „long“, also auf steigende Kurse, sondern auf „short“, das heißt auf fallende Kurse. Broker verlangen für diese sogenannten „gehebelten Positionen“ immer eine Margin.

Margin
Unter „Margin“ wird eine Sicherheit verstanden, die ein Broker verlangt, wenn ein Trader eine Position mit einem Hebel tätigt. Diese beträgt in der Regel etwa ein Prozent. Handelt ein Trader beispielsweise mit einem Währungspaar in einer Größenordnung von 10.000,00 €, verlangt der Broker eine Margin von 10,00 €. Broker wollen immer Gewinn erwirtschaften, weshalb es Kauf- und Verkaufskurse gibt. Diese unterscheiden sich in der Regel um einen bestimmten Bruchteil, den sogenannten „Spread“.

Spread
Spread ist die Differenz zwischen einem Kauf- und Verkaufswert. Es handelt sich um eine Kommissionsgebühr, die ein Finanzdienstleister erhebt und der seine Gewinnspanne darstellt. Die meisten Anbieter haben je nach Währungspaar Spreads zwischen einem und drei Pips. Je höher der Spread ist, umso mehr muss der Kurs sich positiv entwickeln, bis man einen Gewinn erzielt.

Teilnahme am Devisenhandel

Für den Kauf oder Verkauf an der Forex gibt es unterschiedliche Gründe. Zum einen setzen Spekulanten auf Steigen oder Fallen eines Basiswertes und zum anderen vollziehen Firmen große Transfers von der einen in die andere Währung. Marktteilnehmer, wie Banken oder Fonds verfolgen die Erzielung großer Kursgewinne. Daneben tragen die Zentralbanken durch Interventionen an den Devisenmärkten zu starken Kursbewegungen bei. Dabei ist Forex Trading nicht nur Banken oder speziellen Devisenhändlern vorbehalten. Jedem steht die Möglichkeit offen, auf die Schwankungen von Devisenpaaren zu spekulieren. Je nach Broker findet der Handel durch eine Trading-Software oder das Web statt. Die Besonderheit des Devisenhandels ist im Gegensatz zum Aktienhandel an der Börse, dass ein Hebel genutzt werden kann. So kann ein Trader mit kleinem Kapital große Mengen bewegen, was ihm die Bewegung eines Vielfaches seines Einsatzes erlaubt.

Risikobegrenzung

Risikobegrenzung beim Handel mit Devisen

Wer mit Devisen handeln will, sollte sich einen Anbieter mit günstigen Konditionen suchen. Dabei sollten niedrige Gebühren für Ein- und Auszahlungen und der Durchführung von Handelsaufträgen im Vordergrund stehen.

Damit Trader die Möglichkeit haben, herauszufinden, ob sie erfolgreich am Forex Trading teilnehmen können, haben die meisten Broker einen Demo-Konto. Trader können unter realen Bedingungen die Grundlagen des Devisenhandels erlernen und Informationen verarbeiten, mit Währungspaaren handeln oder unmittelbar an Devisenmarkt handeln. Sie setzen jedoch kein reales Kapital ein, sondern agieren nur fiktiv.

Wollen Händler am Devisenmarkt handeln, müssen sie sich vorab im Klaren sein, ob sie den Handel lediglich als „Hobby“ betreiben wollen, oder gar davon leben möchten. Wollen sie aktiv am Marktgeschehen teilnehmen, dann sollten sie nur das Kapital einsetzen, das im Falle eines Verlustes verschmerzt werden kann. Bei vielen Brokern kann auch mit wenig Kapital ein Handelskonto eröffnet werden. Wer zuvor Erfahrung bei einem Demokonto erworben hat, solle sein Risiko beim „richtigen“ Devisenhandel so gut es geht begrenzen.

Beim Forex Trading stehen jedem Teilnehmer die gleichen Chancen offen. Erfolgreiche Trader berufen sich auf richtige Informationen und die Selbstdisziplin, sich ständig mit Marktentwicklungen zu beschäftigen. Sie müssen politische, ökonomische, soziale und statistische Gesichtspunkte berücksichtigen. Wenn alle Aspekte richtig interpretiert und in Transaktionen mit Währungspaaren umgesetzt werden, können beim Devisenhandel gute Gewinne erzielt werden.

Teilnehmer sollten Webinare, Videos und Lern-Konzepte zum Devisenhandel nutzen. Nachrichten aus Wirtschaft oder Politik müssen in die Entscheidungen eingebunden werden.

Dennoch bleiben alle Spekulationen auf dem Devisenmarkt ein großes Risikogeschäft. Wechselkurse können auch innerhalb eines einzigen Tages unvorhersehbaren Schwankungen unterliegen. Diese Schwankungen vervielfältigen sich, wenn mit einem Hebel gehandelt wird.


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