EUR/USD Parität?
Forex

Devisenmarktbericht: EUR/USD Parität wirklich realistisch?

Der Währungshandel wird überwiegend von den Majors (liquideste Währungen) dominiert und auch diese sind in der Regel gegen den US-Dollar oder den Euro notiert. Es ist klar, dass mittel- bis langfristig die beiden Währungen den Ton angeben und aktuell sieht es halt so aus, als würde der US-Dollar weiterhin an Stärke gewinnen, wenn auch verhalten. Handelbar sind Währungen entweder direkt auf dem Interbankenmarkt oder über einen Forex-Broker (weiterführende Informationen: www.qtrade.de/tradingblog/was-ist-ein-forex-broker/ )

Viele Analysten rufen für den EUR/USD Kurs Parität aus, diese Notierung zu erreichen erscheint jedoch nicht mehr so einfach zu sein wie es das Chart für das Währungspaar andeutet. Das Tief wurde mit 1,045 US-Dollar je Euro bereits Anfang März erreicht und bisher konnte es noch nicht überwunden werden. Für die Stärke im Euro gab es zwei wichtige Faktoren:

  • Die Unsicherheit hinsichtlich der nächsten Zinsanhebung in den USA
  • Die konjunkturelle Lage in der EU

 

Wie reagieren Marktteilnehmer auf die Zinsen der FED?

Noch letztes Jahr hat die FED in ihrem Statement mit dem Wort „patient“ (deutsch: vorsichtig) den Marktteilnehmern zu verstehen gegeben, dass sie mit der Zinsanhebung vorsichtig sein würde. Sie würde ihre Obacht gleichzeitig davon abhängig machen, wie sich die konjunkturelle Lage im Verlauf entwickelt. Die Folgen dessen waren folgende: Jedes Mal wenn Konjunkturdaten positiv ausfielen, stärkten die Erwartungen der Investoren an einen früheren Zinsanstieg den US-Dollar. Waren die Daten dagegen negativ so wurde der US-Dollar abverkauft.

In der letzten FOMC- Sitzung wurde gespannt der Beschluss erwartet, denn dann sollte es mehr Klarheit über den geplanten Anstieg geben. Was die FED beschlossen hatte, stellte Marktteilnehmer weniger zufrieden. Denn die FED hat das Wörtchen „patient“ raus genommen gleichzeitig aber bekanntgegeben, dass der Anstieg in den Zinsen von der weiteren Entwicklung abhinge (weiterführende Informationen: http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/us-notenbank-fed-chefin-janet-yellen-laesst-die-boersianer-jubeln/11420192.html ). Damit nahm sie den Investoren zum Teil die Sicherheit, sich selbst aber gab sie mehr Handlungsspielraum.

Dass die Verwendung der sogenannten „Forward Guidance“ (Verbalinterventionen) mit dem Wort „patient“ etwas ungeschickt gewählt war, wurde von vielen Analysten festgestellt. Als die FED diese verwerfen würde war für Fachleute nicht wirklich eine Überraschung. Das was die Marktteilnehmer nun doch etwas unsicher zurück lässt ist die Tatsache, dass keiner so recht weiß, ob der Zinsanstieg nun im Juni oder erst im September erfolgt.

Diese Unsicherheit ist deutlich im Kurs des EUR/USD erkennbar. Selbst die, nur leicht nicht wie erwartet ausgefallenen Einzelhandelsumsätze (weiterführende Informationen: http://www.focus.de/finanzen/news/wirtschaftsticker/usa-einzelhandelsumsaetze-steigen-weniger-stark-als-erwartet_id_4610122.html ) sorgten dafür, dass der Euro abrupt anstieg. Der Effekt: Je negativer die Konjunktur, desto weiter rückt der Zinsanstieg in die Ferne.

Bei dem Anstieg handelte es sich jedoch überwiegend um eine Übertreibung, den die Daten waren nicht so schlecht wie zunächst angenommen. Darüber hinaus ändert sich trotz der Unsicherheit wenig an der Tatsache, dass der Euro sich weiterhin in einem starken Abwärtstrend befindet, und da auch die EU- Zinsen noch einige Jahre auf dem niedrigen Niveau verbleiben werden, ändert sich an der allgemeinen Tendenz erst einmal wenig. Übertreibungen werden daher von Händlern oft genutzt um US-Dollar nachzukaufen.

Zu beachten wäre allerdings, dass der Euro längst fällig für eine größere Korrektur ist, denn der steile Abwärtstrend sowie man ihn im letzten Jahr hatte, ist äußerst selten und die Gegenbewegung könnte um so stärker ausfallen. Dass der Euro jedoch nachhaltig auf das Ausgangslevel von 1.40 US-Dollar je Euro in naher Zukunft steigen wird, ist eher unwahrscheinlich.

 

Welche Auswirkungen hat die konjunkturelle Lage in der EU auf den Euro?

Der Euro ist seit der Verkündung der EZB im Mai letzten Jahres sie würde die Zinsen senken, im freien Fall. Weitere Maßnahmen folgten und kürzlich legte die EZB ein nach dem Vorbild der FED aufgelegtes QE-Programm auf.

Damit kauft sie monatlich in einem Umfang von 60 Mrd. Euro Staatsanleihen (weiterführende Informationen: http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/gemischte-reaktionen-auf-historische-entscheidung-ezb-kauft-staatsanleihen-fuer-60-milliarden-euro-pro-monat/11266084.html ) auf und pumpt so Liquidität in die Märkte. Damit man das Ganze besser versteht: Die EZB kauft Anleihen von anderen Institutionen auf, wie etwa aus den Ländern Italien oder Spanien. Durch die günstige Finanzierung können Kreditinstitute, da direkt an dem Verkauf der Anleihen beteiligt sind partizipieren, indem sie entweder mehr Kredite vergeben oder das Geld woanders investieren, womit wir bei den steigenden Aktienmärkten wären.

Die Frage ist und bleibt: Welchen Effekt haben diese Maßnahmen auf die Wirtschaft und somit auf die Währung?

Der Euro ist innerhalb der letzten 12 Monate um 24 % gegenüber dem US-Dollar gefallen. Dieser Verfall wurde durch Zinssenkungen ausgelöst. Die Erwartungen an bald steigende Zinsen in den USA gaben dem US-Dollar zusätzlichen Auftrieb.

Nun ist es aber auch so, dass der schwache Euro sich mit Zeitversatz in der Realwirtschaft erkennbar machen sollte und zwar durch steigende Exporte und fallende Importe (weiterführende Informationen: http://www.handelsblatt.com/video/unternehmen/schwacher-euro-beguenstigt-exporte-das-sind-die-erfolgreichsten-dax-konzerne/11013706.html ). Dafür ist jedoch eine rege Nachfrage notwendig. Fallende Rohstoffpreise sind ein Katalysator für diese Nachfrage, die wir auch verzeichneten.

Ein Reversal im Euro könnte daher nicht mehr lange auf sich warten, denn laut der Kaufkraft-Paritäten-Theorie, die ihre Wirkung erst dann entfaltet wenn alle anderen Erwartungen vom Tisch sind, sollte sich der Kurs in Richtung Wirtschaftskraft bewegen.

Ob dieser Moment jedoch jetzt schon gekommen ist, wäre reine Spekulation. Zumal der Zinseffekt und das QE weiterhin auf dem Euro lasten. Eine vorsichtige Annahme wäre daher, dass der Euro aufgrund der wirtschaftlichen Verbesserung weniger Potential nach unten haben sollte, sofern keine Impulse seitens der FED in der nahen Zukunft kommen, welche diesen wiederum belasten würden. Und aktuell ist das auch der Fall wodurch der Euro bei schlechten US-Daten stark nach oben tendiert.

Es ist auch unwahrscheinlich, dass der Euro nun in einer einzigen dynamischen Bewegung auf Parität zum US-Dollar fällt sondern eher seitwärts tendieren sollte, sofern eben keine neuen Impulse aus den USA kommen. Und selbst wenn, dann wäre es kein großer Impuls, denn die Erwartungen an steigende Zinsen werden alleine dadurch schon gedämpft, dass der Anstieg nur gemächlich erfolgt.

 

Ein Blick auf das technische Bild des EUR/USD

Auch das technische Bild unterstreicht deutlich den intakten Abwärtstrend im Euro. Es gab in diesem Monat zwei Versuche über die Notierung von 1.10 US-Dollar je Euro auszubrechen, nachdem die FED ihre letzte Pressekonferenz gab. Dieser Level konnte nicht überwunden werden worauf die Notierung in der letzten Woche deutlich nachgab.

EUR/USD ChartAktuell steht der Kurs bei 1.060 und fand Unterstützung bei 1.052 US-Dollar je Euro. Dieses Tief sollte nach unten hin aufgelöst werden, um neue Dynamik nach unten zu erzeugen. Das technische Bild unterstreicht das Potential einer Abwärtsbewegung deutlich mehr als die weiter oben angestellten Überlegungen. Dennoch sollte man beides im Kopf behalten, denn wenn es nun doch plötzlich nach oben geht, dann hat es auch plausible Gründe.

 

Fazit

Die meisten Währungen hängen an der Performance des Euro und des US-Dollars. Es ist daher wichtig sich mit diesen beiden führenden Majors zu beschäftigen. Zusammenfassend kann man sagen, dass das Potential des Euro aus erwartungstechnischen Gründen nach unten aktuell etwas ausgereizt ist sowie eine strake Konjunktur den Euro nun besser stützen sollte. Eine Erholung würde dann nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Ein anderes Bild zeigt das technische Chart. Wenn das auch diejenigen erkennen, die sich jetzt vorsichtig positionieren und ihre Meinung plötzlich ändern, dann bestehen durchaus Chancen auf einen Push bis auf Parität. Dafür sollte jedoch zunächst einmal das Tief von Anfang März genommen werden.

Zu beachten wären auch die aktuellen Investitionen in EU-Aktienmärkte. Diese performen aufgrund des QE-Programms extrem gut, siehe DAX. Doch die Performance ist zum Teil auch dem schwachen Euro geschuldet. Nimmt man jetzt an, dass auch in den Aktienmärkten demnächst eine Korrektur fällig ist, dann würde es mit der Erholung im Euro zusammen fallen. Einen Blick ist es auf jeden Fall wert, nur wie immer gilt: Spekulation ist eine Sache, das aktuelle Marktbild die andere und das kann sich jeden Tag ändern.

Das könnte Sie auch interessieren

EUR/USD: Wie tief kann der Euro noch fallen?

Smartmoneynews

EUR/USD – Das ungleiche Währungspaar

Rudolf T.
>