Fehler beim Tradne
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Fehler beim Traden – Warum viele Trader versagen

Menschen machen Fehler, das war so und wird immer wieder so sein. Unsere gesamte Entwicklungsgeschichte besteht aus Fehlern, aber aus Fehlern lernt man, früher oder später werden die Fehler korrigiert. Trader sind auch nur Menschen, auch wenn sie sich moderner und teilweiser superschneller Hilfsmittel bedienen, um damit ihr eigenes oder fremdes Kapital zu vermehren.

Was ist ein Trader?

Hauptberuflicher Vollzeit-Trader bei der Arbeit

Trader sind per Definition zunächst einmal Personen die den Handel an Finanzmärkten betreiben. Man unterscheidet dabei berufsmäßige Trader, die für Banken, Fonds, Versicherungen etc. arbeiten und Trader, die das mehr oder weniger als ein ernsthaftes Hobby betreiben und damit ihr Einkommen aufbessern wollen. Eine spezielle Gruppe stellen darunter die sogenannten Daytrader dar, die versuchen jeden Tag mit spezieller Trader-Software auch aus der kleinsten Bewegung an den Märkten, Kapital zu schlagen. Lassen wir die berufsmäßigen Trader, die eine Ausbildung in einer Bank oder direkt an der Börse durchlaufen haben und somit über das entsprechende Know-How sowie über die notwendige Hard- und Software verfügen beiseite und wenden uns in unserem Magazin der anderen Gruppe zu.

Einige Gründe, warum Trader versagen…
Nicht jeder Trade kann und muss erfolgreich sein, auch Profis machen Fehler beim Traden.

Fehlende Kapitalausstattung

Es gibt so viele Bücher, die man vorher lesen kann, Webinare und Seminare von Profitradern und anderen Finanzexperten, Software, die man kaufen kann oder auch soll. Und trotzdem ist ein Grund, warum Trader scheitern, das fehlende oder nicht ausreichende Startkapital. Ich bin aber nicht der Meinung, dass wie in einigen Publikationen gesagt wird, ein Kapital von bis zu einer halben Million Euro sei für den Start notwendig. Auch mit wesentlich kleineren Beträgen lassen sich erfolgreiche Trades gestalten. Aber lassen Sie sich niemals darauf ein, unter Druck zu kommen, weil Sie das Geld zu einem bestimmten Termin benötigen oder es sich um einen kreditfinanzierten Trade handelt. Die Fehler sind dann schon zwangsläufig vorprogrammiert.

Zusammenhang zwischen Politik und Trading

Der Spruch, dass politische Börsen kurze Beine haben, ist nach wie vor gültig. Wer spricht heute im Zusammenhang mit den Börsen noch von der Krise in der Ukraine oder vom arabischen Frühling mit all seinen politischen Katastrophen. Und von Griechenland wird man auch bald nicht mehr so viel hören, dass es die Märkte entscheidend beeinflussen wird.

Aber Trader sind meist kurzfristig orientiert. Und jedes politische Ereignis ist von Bedeutung für sie, da es die Kurse sehr intensiv beeinflussen kann. Am Beispiel von Chinas Währung sahen Sie aber aktuell, wie die Politik die Kurse beeinflusst. Es war eine politische Entscheidung, die Landeswährung Yuan so nachhaltig abzuwerten. Die Kurse gingen daraufhin nicht nur an den chinesischen Börsen in die Knie, sondern weltweit gaben die Kurse an den wichtigsten Börsen nach. Wer hier nicht schnell genug reagierte, hatte erhebliche Verluste zu verzeichnen.
Das die Kurse binnen weniger Tage sich wieder etwas erholten, ist für den kurzfristigen Trader, der ggf. Kapital nachschießen musste, auch kein großer Trost. Der Spruch nach einer gewissen Zeit vom sprichwörtlich umgefallenen Sack Reis in China ist dann auch nicht so ganz richtig.

Eine „historische“ Lehre

Erinnern Sie sich noch an die Zeiten des „Neuen Marktes“ in Deutschland als in dessen heißer Phase an jedem Stammtisch, in jeder Straßenbahn und in jeder Kantine früh, mittags und abends heiße Tipps für Anlagen ausgetauscht wurden? Eine Spekulationsblase baute sich auf, als diese platzte, wurden Milliardenwerte vernichtet. Zugegeben, damals ging es hauptsächlich um Spekulationsverluste aus Aktienanlagen, aber stellen sie sich die Situation heute vor, in der Handelsplattformen im Internet allen alles zugänglich machen. Deshalb sollten Anleger und auch Trader sich zurückziehen, wenn der Markt nervös und nicht mehr realistisch einschätzbar ist und zu kippen droht. Dass das immer wieder passieren kann und wird, beweist die Geschichte des Wertpapierhandels seit der „Tulpenkrise“, die im Februar 1637 ihren Anfang nahm.

Psychologische Fallen

Forex Trader

Obwohl laut Untersuchungen von Fachleuten nur rund 40 % aller Trades erfolgreich verlaufen, möchte keiner zu den 60% der nicht erfolgreichen Gruppe gehören. Niederlagen schmerzen und an den Börsen und Handelsplattformen geht es um reales Geld und teilweise auch um die Existenz des Einzelnen. Börse ist 90 Prozent Psychologie, dieser alten Wahrheit müssen sich auch Trader stellen, wenn sie nicht alles verlieren wollen. Die wissenschaftliche Bezeichnung für diese Spezialdisziplin der Psychologie heißt Behavioral Finance oder auf gut deutsch Verhaltensökonomik.

In verschiedenen wissenschaftlichen Veröffentlichungen werden immer wieder zwei psychologische Phänomene genannt, das „all- time- high- bias“ und der „Dispositionseffekt“

Der “All- time- high- bias” hat zum Inhalt, dass ein Wert auf Allzeithoch nicht weiter steigen kann, das sagt zumindest unsere Psyche. Also lassen wir die Finger davon oder spekulieren lieber mit einer Short-Position auf den Wert. Wie viel Verlust hätten Sie dann wohl mit so einem Wert wie Berkshire Hathaway eingefahren, dessen A-Aktienwert 1969 mit 43 Dollar auf den Markt kam und 2014 erstmalig die Grenze von 200.000 Dollar überschritt. Oder aber der entgangene Gewinn würde Sie auch schmerzen….

Viel entscheidender aber ist die psychologische Wirkung des Dispositionseffektes. Er beruht auf der menschlich verständlichen Angst vor Verlusten. Jeder Anleger und Trader weiß es aus eigener Praxis, dass Verluste mehr schmerzen als erfolgreiche Trades. Obwohl Trader sehr schnell handeln und die meiste Zeit Augenblicksentscheidungen treffen, überlegen sie zum Teil doch noch kurz, ob der Verlust nicht in einen Gewinn umgewandelt werden kann oder zumindest noch begrenzt werden kann. Und genau in dieser Phase des Überlegens können sich die Verluste ausweiten. Umgekehrt ist aber auch genauso mit Gewinnen, wenn der Trader den Gewinn realisiert und danach sieht er auf seinem Bildschirm, was er noch alles realisieren hätte können, wenn er den Trade nicht abgebrochen hätte. Sehr oft stehen falsche Mechanismen in unserem Denken und dem daraus folgenden Handeln einem Erfolg beim Traden im Wege. Es gibt dabei verschiedene Stufen des Schmerzes über entstandene Trading-Verluste.

Wir machen mit einem Trade Verlust. Tut am meisten weh, das dürfte jedem klar sein. Wir beenden einen Trade mit Gewinn und wie oben schon erwähnt, es hätte mehr sein können, aber gut wir haben gewonnen und so schmerzt uns dieser entgangene Verlust nicht ganz so stark. Am wenigsten Probleme haben wir mit den Gewinnen bei Trades, die wir bewusst, weil wir uns nicht sicher waren oder unbewusst, weil wir von den möglichem Trade keine Kenntnis hatten oder es schlicht verpasst hatten, ihn auszuführen. Vielleicht waren Sie ja im Urlaub oder hatten gerade keine Online-Verbindung. Und über den beiden letzten Denkweisen liegt der beruhigende Gedanke, ok, die Märkte hätten ja auch anders reagieren können. Das ganze nennt man in der schon erwähnten Verhaltensökonomik Aktions- und Auslassungsfehler. Sie werden deshalb so genannt, weil Anleger und Trader entweder das falsche tun (falsche Aktion) oder das richtige nicht tun (das richtige auslassen).

Fazit

Fehler sind dazu da, um daraus zu lernen und die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen. Aber keiner kann es je vermeiden, Fehler zu machen. Nicht umsonst sind nur rund 40 % der Trades erfolgreich. Computergestütztes Trading kann zwar helfen, Fehler zu minimieren. Aber dabei sollte man immer wieder bedenken die Software stammt von einem sehr menschlichen Programmierer. Die Profis lassen mit ihren Handelssystemen ganze Börsen in die Knie gehen und lösen damit Schockwellen rund um den Globus aus, in deren Folge sie Billionenwerte in Sekunden vernichten. Wenn Sie einen Fehler machen, spüren sie es lediglich auf ihrem Konto. Aber, ob Sie das wohl trösten wird…

Ich wünsche Ihnen, dass Sie wenig Fehler machen und aus den gemachten Fehlern die Lehren für das nächste Trading ziehen, damit Sie in Zukunft wieder erfolgreicher sind.


 

Bildnachweis: © PrettyVectors/Fotolia; © DragonImages/Fotolia; © Milles Studio/Fotolia

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