Forex Handel
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Besonderheiten beim Forex-Handel

Aller Anfang ist schwer – das gilt fürs Autofahren oder für eine bestimmte Sportart ebenso wie für den Forex-Handel. Daher wird der folgende Artikel Ihnen die Grundlagen und Besonderheiten des Devisenmarktes (Foreign Exchange oder Forex-Markt) aufzeigen, um Sie bei Ihren Anfängen als Forex Trader zu unterstützen. Während viele erfahrene Trader von den Prinzipien „Chart bleibt Chart“ und „Markt ist Markt“ ausgehen, weist der Währungsmarkt ein paar feine Unterschiede auf, die sich jeder klarmachen sollte, der sein Glück an diesem Markt versuchen möchte.

Der Forex-Handel einfach und verständlich erklärt

Die erste Besonderheit, die wir hier diskutieren werden, ist die Tatsache, dass wir es im Forex-Handel immer mit Transaktionen zu tun haben, bei der eine Währung mit einer anderen verglichen wird. Manchmal auch als Währungspaarhandel bezeichnet, unterscheidet sich der Devisenhandel in dieser Hinsicht deutlich vom Aktienmarkt. Wenn Sie glauben, dass Aktie A steigen wird, ist die logische Konsequenz, Aktie A zu kaufen. Erreicht Aktie A Ihr Kursziel, werden Sie aussteigen und verkaufen. Glauben Sie dagegen, dass Aktie A billiger wird, werden Sie stattdessen den „Short“-Button Ihrer Handelsplattform drücken, um einzusteigen, und für den Ausstieg die „Buy to Cover“-Schaltfläche betätigen. Wenn Sie also unsere fiktive Aktie A traden, dann handeln Sie lediglich deren eigene Stärke oder Schwäche innerhalb des allgemeinen Marktes.

Am Devisenmarkt dagegen handeln wir immer die Stärke einer Währung im Verhältnis zur Stärke einer anderen. Bei diesem Paarhandel wird die erste Währung als Base Currency und die zweite als Quote Currency (auch Counter oder Pip Currency) bezeichnet. Betrachten wir das bekannteste Währungspaar EUR/USD, so ist der Euro die Base- und der Dollar die Quote Currency. Glauben Sie, dass der Euro gegenüber dem Dollar anziehen wird, ist die korrekte Vorgehensweise, mit einem Kauf ein- und einem Verkauf auszusteigen. Wenn Sie dagegen meinen, dass der Euro gegenüber dem Dollar an Kaufkraft verlieren wird, müssen Sie stattdessen zunächst verkaufen und, um aus dem Trade auszusteigen, kaufen.

Ab hier wird es verwirrend: Jede durchgeführte Transaktion ist gleichzeitig ein Kauf und ein Verkauf. Weil wir es im Forex-Handel immer mit Paaren zu tun haben, die in einer unauflöslichen Wechselbeziehung zueinander stehen, kaufen wir, wenn wir den „Kaufen“-Button drücken, nicht nur den Euro, sondern wir verkaufen gleichzeitig auch den Dollar.

Die meisten Handelsplattformen werden Ihre Order anzeigen und eine Bestätigung verlangen, bevor sie platziert wird. Auch wenn Sie das zu Beginn Ihrer Forex-Trading-Karriere verwirrend finden mögen, müssen Sie sich im Grunde nur eines stets ins Gedächtnis rufen: Glauben Sie, im Chart einen deutlichen Aufwärtstrend zu erkennen, platzieren Sie eine Kauforder, sehen Sie dagegen einen Abwärtstrend, verkaufen Sie.

Die Wippe beim Forex-Handel

Die zweite große Besonderheit im Forex-Handel ist, dass die Währungen nicht immer dieselbe Hälfte eines Paares darstellen. Im oben genannten Währungspaar EUR/USD ist der Euro die Base Currency und der Dollar die Quote Currency. Traden Sie dagegen den Dollar gegen den Schweizer Franken, lautet die Bezeichnung des Währungspaares USD/CHF. Nun ist also der Dollar die Base- und der Schweizer Franken die Quote-Währung. Der Hauptunterschied ist dabei der Verlauf des Charts, der die Stärke des Dollars angibt. Verwirrend, oder? Im Folgenden wird eine einfache Eselsbrücke gebaut, mit deren Hilfe Sie sich den Richtungsverlauf der Wechselkurse und die Stärke der entsprechenden Währungen merken können.

EUR/USD und USD/CHF auf Tagesbasis

Schauen Sie sich dafür den Chart und den Winkel im obigen Bild an, den der Kursverlauf einschließt. Waren Sie jemals auf einem Spielplatz und haben dort eine Wippe mit zwei Kindern beobachtet?

Wenn die Wippe einen Winkel bildet, der demjenigen auf dem EUR/USD-Chart ähnelt und sich dabei nicht bewegt, auf welcher Seite sitzt dann das schwerere/stärkere Kind? Eindeutig auf der linken Seite. Im Chart bedeutet das, dass die Währung auf der linken Seite im Verhältnis zu derjenigen auf der rechten stärker wird. Und auf welcher Seite befindet sich das schwerere Kind, wenn die Wippe einen Winkel wie der USD/CHF-Chart bildet? Auf der rechten. In diesem USD/CHF-Chart zieht also der Schweizer Franken auf der rechten Seite gegenüber dem Dollar auf der linken an.

Noch ein Wort zu den Base-/Quote-Currencies: Wenn Sie die Charts betrachten, zeigen Ihnen die Zahlen auf der Y- beziehungsweise Preis-Achse an, für welchen Betrag der Quote Currency Sie eine Einheit der Base Currency kaufen können. Der EUR/USD-Chart beginnt bei 1,3800 und steigt auf über 1,4800 an. Blenden wir die Nullen für den Augenblick aus. Anfang März brauchten wir 1,38 Dollar, um einen Euro zu kaufen. Je weiter der Kurs und damit die Chartlinie anstiegen, desto mehr Dollar beziehungsweise Cent benötigten wir, um einen Euro zu erwerben. Anfang Mai 2012 kostete ein Euro dann über 1,48 Dollar.

Was ist ein Pip?

Eine weitere wichtige Besonderheit am Forex-Markt ist die Größenordnung der Preisschwankungen. Für die meisten Währungspaare werden die Wechselkurse folgendermaßen angegeben: 1,2345

Ist der Dollar unsere Quote-Währung, handelt es sich also um 1,23 Dollar, wobei rechts von der Einerstelle des Cents noch einige weitere Ziffern stehen. Diese zusätzlichen Stellen sind Bruchteile eines Cents. Das klingt zunächst nach vernachlässigbaren Größenordnungen, doch wenn Sie den Wert jedes Bruchteils eines Cents heranziehen, können genau diese Stellen ausgesprochen wichtig sein. Es gibt andere Währungspaare, beispielsweise Paare mit dem japanischen Yen, bei denen der Preis der Quote-Währung sich etwas anders verhält. Aktuell wird das Währungspaar USD/JPY mit einem Wechselkurs von 78,37 gehandelt. Der Unterschied ist hier die Position des Dezimalkommas. In Paaren mit dem japanischen Yen ist der „Pip“ (Percentage in Point) die zweite Stelle rechts des Dezimalkommas, in Paaren mit dem Dollar befindet sich der Pip dagegen vier Stellen rechts des Kommas. Wie können Sie angesichts so geringer Preisbewegungen am Devisenmarkt überhaupt Geld verdienen? Hier kommt der Hebel ins Spiel.

Der Hebel beim Forex-Handel

Die letzte wichtige Besonderheit am Forex-Handel ist der Hebel, der hier zugelassen wird. Dieser ermöglicht die Kontrolle einer großen Position mit einer kleinen Investition. Im normalen Aktienhandel ist beispielsweise kein Hebel möglich, es sei denn, Trader nutzen Derivate wie Hebelzertifikate oder Contracts for Difference (CFDs). Im Spot-Markt für Devisen können Trader je nach Wahl des Brokers dagegen einen Hebel von bis zu 100:1 oder gar 400:1 bekommen. Auf viele Trader üben diese Zahlen natürlich eine große Anziehungskraft aus.

Sie sollten sich jedoch darüber im Klaren sein, dass Hebel dieser Größenordnung ein zweischneidiges Schwert sind: Sie sind großartig, wenn Sie richtig liegen – und das Gegenteil, wenn das nicht der Fall ist. Wenn Sie eine Standardposition handeln, bei der 100.000 Dollar der Base Currency kontrolliert werden, entspricht jeder Pip zehn Dollar. Ein Kursanstieg von 1,4300 auf 1,4400 würde dann also einer Bewegung von 100 Pips und somit 1000 Dollar entsprechen. Für einen Trader, der mit Hebel 50 agiert, bedeutet ein 2000-Dollar-Investment in eine Standardposition also eine Rendite von 500 Dollar bei einer Bewegung von 50 Pips.

Fazit

Wie Sie gesehen haben, ist der Devisenmarkt ein ganz besonderer Markt, der sich in vielerlei Hinsicht von den anderen Märkten unterscheidet. Er eröffnet tolle Gewinnchancen, birgt aber auch hohe Risiken, die Sie unbedingt berücksichtigen sollten. Es empfiehlt sich, vor dem Live Trading mit dem Demo-Konto eines Forex Brokers zu üben, um ein Gefühl für den Forex-Markt zu bekommen und seine Chancen und Gefahren einschätzen zu lernen. Auf diese Weise können Sie in Ruhe eine zuverlässige und profitable Strategie sowie ein ausgefeiltes Risiko- und Money-Management entwickeln und im Anschluss daran so richtig durchstarten.


Bildmaterial: © Syda Productions/Fotolia

 

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