Futures-Trading
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Futures – Wann kann man mit dem Futures-Trading beginnen?

Was ist eigentlich Futures-Trading? Handelt man nicht immer in die Zukunft?

Futures sind Termingeschäfte, bei denen zwei Parteien einen Zeitpunkt in der Zukunft und einen Preis festlegen, an dem ein bestimmtes Produkt geliefert wird. Die Idee ist nicht neu und wurde schon vor über 100 Jahren eingesetzt. Sinn und Zweck dieses Geschäftes ist es, sich gegen Preisschwankungen abzusichern.

Getreidebauer bei der ErnteDas typische Beispiel hierfür wären Getreidebauern und Brothersteller. Der Bauer weiß nicht, was er in der Zukunft für seine Ernte erhält und der Brothersteller weiß nicht, was er in der Zukunft für sein Getreide bezahlen muss. Beide haben also ein Interesse daran, sich gegen die Preisschwankungen abzusichern, um damit besser planen zu können.

Der Bauer würde also mit dem Bäcker einen Vertrag eingehen, in dem er sich verpflichtet zum Stichtag X eine festgelegte Menge an Getreide zu liefern. Der Bäcker hingegen verpflichtet sich, diese Menge Getreide zu einem festen Preis zu kaufen. Wer von beiden am Ende als Gewinner aus der Sache herausgeht, zeigt sich erst am Erfüllungstag, beide können jedoch heute schon planen, welche Budgets sie in der Zukunft zu erwarten haben.

Im Grunde gibt es drei Möglichkeiten, wie sich der Markt bis dahin entwickeln kann.

Entweder geht der Bauer als Gewinner aus der Sache hervor, da der Preis für Getreide gefallen ist und weit unter dem liegt, den er vertraglich bekommt oder der Bäcker gewinnt, da er wesentlich weniger für das Getreide bezahlen muss, als der Markt aktuell dafür verlangt. Der dritte Fall ist eher unwahrscheinlich, aber möglich. Hierbei wäre der aktuelle Preis auf genau dem Niveau, dass beide Parteien vor Monaten schon festgehalten haben.

Nehmen wir einen Kontrakt über irgendein fiktives Produkt an. Beide Parteien einigen sich, in 6 Monaten 100 Tonnen zu 100 € je Tonne zu handeln.

Aus der Sicht des Verkäufers, der in jedem Fall 10.000 € in 6 Monaten erhält:

Vereinbarter Preis = 100 * 100 € = 10.000 €
Marktpreis in 6 Monaten = 90 € = 100 * 90 € = 9.000 €

-> + 1.000 €

Marktpreis in 6 Monaten = 120 € = 100 * 120 € = 12.000

-> – 2.000 €

Die Sicht des Käufers wäre genau spiegelverkehrt, da am Markt immer eine Partei gewinnt und die andere verliert.

Bei manchen Kontrakten fließt noch eine Prämie mit ein, die der Käufer zu Beginn erhält, damit er den Kontrakt überhaupt eingeht. Hierbei verschieben sich Gewinn und Verlust lediglich in Höhe der Prämie, weswegen sie in diesem Beispiel der Einfachheit halber ignoriert wird.

 

Futures als Spekulationsinstrument

Viele Trader sind eigentlich nur am finanziellen Aspekt der Futures interessiert, weniger an dem eigentlichen Produkt. Daher werden bei den meisten Brokern Futures einfach über Barausgleich gehandelt. Das hat den ungemeinen Vorteil, dass man als Trader keine Lagerkosten für die Unmengen an Öl und Weizen hat, vom physischen Platzbedarf mal ganz abgesehen.

FuturesFuture-Trading erfolgt gehebelt, was bedeutet, dass der Trader nur einen gewissen Anteil des Gesamtwertes als Sicherheitsleistung (Margin) hinterlegen muss. Was auf der einen Seite ein Vorteil für den Trader ist, da er wesentlich weniger Kapital benötigt, als er eigentlich am Markt bewegt, ist auf der anderen Seite auch gleichzeitig der Nachteil, da rein theoretisch nahezu unbegrenztes Gewinn- und Verlustpotential vorhanden ist. Zu wenig Kapital oder zu große Positionen führen da schneller als man denkt zum gefürchteten Margin-Call, bei dem der Broker weiteres Kapital verlangt, um die Position zu halten. Sollte der Trader dieser Aufforderung nicht nachkommen, wird der Broker die Position zwangsliquidieren, um sowohl sich selbst als auch den Trader vor größeren Verlusten zu schützen.

Futures sind – im Gegensatz zu CFDs – meist standardisiert, was bedeutet das ein Dax Future bei Broker A exakt gleich dem Future ist, das bei Broker B handelbar ist. CFDs hingegen können Brokerabhängig variieren. Ansonsten unterscheidet sich der spekulative Teil der Futures eigentlich kaum von CFDs. Man interessiert sich nur für die Preisschwankungen und versucht entweder mit Long- oder Shortpositionen einen Gewinn damit zu erzielen. Die Differenz wird in Form von Bargeld ausgeglichen und das eigentliche Produkt hat nie jemand in den Händen gehalten.

 

Standardisierte Futures? Was bedeutet das?

Bleiben wir hierzu beim Beispiel der Getreidebauern. Auch wenn das Prinzip hier für alle Bauern gleich wäre, nämlich jeder Bauer will sein Getreide zu festen Preisen und Mengen loswerden, so unterscheiden sich doch die Bauern in Ihrer Ausprägung teilweise erheblich.

Stellen wir beispielhaft ein kleines Orderbuch auf, für alle Bauern die im August Getreide loswerden wollen.

Bauer Menge Preis Fälligkeit
Meier 100 Tonnen Bestens 20.8.2016
Müller 90 Tonnen Bestens 16.8.2016
Schmidt 87,5 Tonnen Bestens 18.8.2016

 

Bäcker Menge Preis Fälligkeit
Hansen 20 Tonnen Bestens 10.8.2016
Rauer 50 Tonnen Bestens 14.8.2016
Weber 80 Tonnen Bestens 16.8.2016

 

Um hier auf einen Nenner zu kommen, werden Futures standardisiert. Dabei wird der Kontraktgegenstand auf eine feste Einheit normiert, beispielsweise 1 Tonne. Zudem wird angegeben, welche Qualität oder Spezifikation für diesen Kontrakt erfüllt sein muss, zum Beispiel nur Getreide mit Gütesiegel „Supernährreich nach EU Vorgaben“. Die Fälligkeit wird dabei meist auf Stichtage normiert, sodass es leichter wird, entsprechende Vertragspartner zu finden.

 

Futures-Trading

Grundlegend kann man beim Futures-Trading zwei Arten von Futures finden: Financial Futures (zum Beispiel Aktien, Zinsen oder Devisen) und Commodity Futures (wie beispielsweise Gold, Öl, Weizen).

Je nach Future sind die Ausprägungen und Kosten anders, die Spezifikationen werden vom Broker informativ bereitgestellt, sodass der Trader die Kontraktgröße und Margin-Anforderungen, sowie die Wertveränderung pro Einheit einsehen kann.

 

Wann kann man mit dem Futures-Trading beginnen?

Rein theoretisch braucht es dazu nicht viel mehr, als ein Konto bei einem Broker und Kapital. Futures sind jedoch meist nicht die günstigsten Instrumente am Markt und daher nicht für jeden Trader geeignet. Während man Währungen noch vergleichsweise kostengünstig handeln kann, können Futures schon ein Vielfaches an Startkapital verlangen.

Nehmen wir beispielsweise ein Dax-Future für ein Rechenbeispiel, unter der Annahme, dass das Konto mit einem 1 : 100 Hebel versehen ist.

Dax Futures haben einen Wert von 25 € * DAX. Bei einem Stand von 10.000 Punkte wäre der Kontraktwert also 25 € * 10.000 Punkte = 250.000 €.

Bei einem Hebel von 1 : 100 müssten also 250.000 € / 100 = 2.500 € als Margin vorhanden sein. Pro Punkt verändert sich der Wert um 25 €.

Nehmen wir für ein Rechenbeispiel an, wir hätten 2.500 € auf dem Konto und der Broker würde einen Margin-Call bei 25 % ausführen. Wir gehen eine Short-Position ein.

DAX Wert Gewinn / Verlust Margin-Level
10.000 250.000 € 0 € 100 %
9.980 249.500 € 500 € 120 %
10.010 250.250 € -250 € 90 %
10.050 251.250 € -1.250 € 50 %
10.075 251.875 € -1.875 € 25 %

 

Würden wir mit diesem Konto also einen Dax Future mit dem Minimalvolumen handeln, wäre das Konto nach 75 Punkten größtenteils vernichtet.

Um nicht unbedingt die Ausnahmefälle des Brexits als Benchmark zu nehmen, bei dem der Dax an einem Tag rund 1.300 Punkte Bewegung hatte, so liegt die durchschnittliche Spannweite pro Tag dennoch bei einigen 100 Punkten.

Es ist daher nicht unbedingt ratsam mit den größeren Futures sein Trading zu beginnen, speziell wenn das Konto nicht ausreichend Kapital aufweist, um einige Schwankungen problemlos zu verkraften. Mittlerweile gibt es viele Futures auch als Mini-Version, bei denen der Kontraktwert nur einen Bruchteil des eigentlichen Wertes beträgt. Diese Futures kann man auch mit weniger Kapital handeln. Sie sind jedoch ebenfalls nicht zu unterschätzen.

Wenn man dann noch ein relativ gesundes Maß an Money Management hinzufügt, beispielsweise eine 1 % Regel was Verluste angeht, so müsste bei dem Beispieltrade hier die Kontogröße des Traders im Bereich der 200.000 € liegen. Hätten wir einen Stop-Loss von 10 Punkten (250 €) angenommen, so müssten wir zumindest 25.000 € auf dem Konto haben. Je nach Volatilität des Tages sind 10 Punkte jedoch recht schnell erreicht, weswegen auch das eher mit Vorsicht zu genießen ist.

Fakt ist jedoch, Futures können schnell ins Geld gehen und sind daher eher für Trader geeignet, die bereits ein relativ solides Grundkapital zur Verfügung haben und nicht mit wenigen 100 € an der Börse etwas dazu verdienen wollen.


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