Hebel Forex Trading
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Hebel beim Forex Trading – Devisenhandel auf Kredit

Der Devisenhandel ist eigentlich sehr simpel. Sie kaufen oder verkaufen ein Währungspaar und gleichen den Differenzbetrag aus, sobald die Position geschlossen wird. Lagen Sie richtig, bekommen Sie Geld, lagen Sie falsch, müssen Sie Geld bezahlen. Wenn man aufmerksam die etlichen Risikohinweise rund um das Forex Trading liest, so findet man fast immer die Wortkombination „gehebelte Anlagemöglichkeit“. Was steckt eigentlich dahinter?

Gehebelte Anlagemöglichkeiten

Gehebelt bedeutet, dass Sie weitaus mehr Kapital am Markt bewegen können, als Sie auf Ihrem Konto zur Verfügung haben. Wie man den Effekt des Hebels (Leverage) nun genau beschreibt, liegt im Ermessen des Betrachters. Entweder ist es mit steigendem Hebel möglich, mehr Kapital mit gleichem Einsatz zu bewegen, oder es ist mit steigendem Hebel weniger Einsatz nötig, um das gleiche Kapital zu bewegen.

Beide Aussagen sind korrekt, doch wie wirkt sich der Hebel denn nun aus?

Auswirkung des Hebels (Leverage) beim Forex-Handel

Hebel Forex Trading

Der Hebel sagt aus wie hoch ihre Eigenkapitalbeteiligung am Investment ist. Ein klassisches Beispiel hierfür wäre der Hauskauf bei der Bank. Sie möchten ein Haus im Wert von 500.000 € kaufen, haben jedoch nur 100.000 € zur Verfügung. Sie gehen zur Bank und nehmen einen Kredit über 400.000 € auf um das Haus zu kaufen.
In diesem Beispiel haben Sie einen Hebel von 5 : 1, denn 100.000 € * 5 : 1 = 500.000 €.

Im Devisenhandel liegen die Hebel in der Regel weitaus höher. Ein Hebel von 100 : 1 würde es Ihnen erlauben, mit einem Investment von 1.000 € stolze 100.000 € am Markt zu bewegen. Das Fremdkapital wird Ihnen dabei vom Broker oder der Liquiditätsanbieter des Brokers zur Verfügung gestellt und entsprechend verzinst.

Die Risiken und Nebenwirkungen von Hebeln

Jede Münze hat zwei Seiten. Die Zinsen fallen in der Regel nicht besonders hoch aus und beim Forex Trading werden Positionen teilweise innerhalb von Minuten wieder geschlossen, weswegen die Zinsen meist gar nicht erst anfallen. Klingt auf den ersten Blick doch super. Problemlos mehrere hunderttausend Euro an Kredit auf Knopfdruck. Nirgendwo sonst bekommt man so einfach fast jeden beliebigen Betrag auf Knopfdruck.

Warum bekommt man vom Broker Kapital so einfach zur Verfügung gestellt? Zum einen trägt der Broker praktisch kaum ein Risiko dabei. Wenn Ihnen die Bank einen Kredit für ein Haus gibt, so trägt sie zunächst das Risiko, dass die Immobilie an Wert verliert und/oder Sie das Geld nicht zurückzahlen. Dementsprechend sind mehr Bonitätsprüfungen und ähnliche Absicherungen seitens der Bank nötig, bevor ein Entscheid getroffen werden kann.

Bei einem Broker sieht das anders aus. Er leiht Ihnen das Geld auf Knopfdruck, da er sicher ist, dass Sie das Geld zurückzahlen.

Nehmen wir folgendes Beispiel an:

Sie haben 1.000 € auf dem Konto und möchten mit einem Hebel 100 : 1 ein Standard-Lot handeln. Sie leihen sich somit 100.000 € von Ihrem Broker und eröffnen die Position. Rutscht die Position nun ins Minus, wird sie vom Broker Zwangsgeschlossen (Margin-Call). Sie verlieren 1.000 € (bzw. etwas weniger, aber halten wir das Beispiel einfach).

Von den 100.000 € Kredit sind noch 99.000€ übrig, da die Position 1.000 € Verlust gebracht hat. Die 1.000 € von Ihrem Konto werden mit der Position verrechnet. Der Broker hat seine 100.000 € wieder und Ihr Konto steht auf Null.

Was viele Broker somit als Leistung anbieten, nämlich das Sie nicht mehr als Ihre Einlage verlieren können, ist im Grunde also nur ein Schutzmechanismus für den Forex Broker. In einigen Fällen verlieren Sie tatsächlich mehr als Ihre Einlage, nämlich dann, wenn der Kurs sich so schnell bewegt, dass Sie zum eigentlichen Margin-Call Kurs keine Gegenseite für die Position finden. Diesen Mehrverlust trägt in der Regel der Broker, was auch mehr oder weniger sein einziges Risiko an dem Handel ist.

Die Gegenseite sieht für den Broker natürlich besser aus. In den meisten Fällen wird dem Broker wesentlich mehr daran liegen, dass Sie erfolgreich handeln, denn für jeden Trade, den Sie schließen, erhält der Broker eine gewisse Kommission. Diese kann viele Formen und Farben annehmen, seien es nun Swaps, Spreads oder andere Transaktionskosten. Je mehr Sie handeln, desto mehr verdient der Broker an Ihnen. Dementsprechend ist es für ihn von Interesse, Ihnen möglichst viele Mittel zur Verfügung zu stellen, damit der Devisenhandel für Sie überhaupt interessant ist und Sie deshalb aktiv am Markt agieren. Ausgenommen sind Broker die als Market Maker am Markt agieren. Wie das Prinzip eines Market Makers funktioniert, erfahren Sie in diesem Artikel:  https://smartmoneynews.de/market-maker/

Für den Broker spielt es also keine besondere Rolle, ob Sie einen Hebel nutzen und wie hoch dieser ausfällt. Für Sie als Kunde des Brokers stellt sich nun die Frage, wie hoch der Hebel ausfallen sollte.

Ein gesunder Hebel

Wie viel Leverage ein Trader nun beim Forex Trading benötigt, ist Geschmackssache. Vergessen wir für einen Moment den ganzen Teil mit Fremdkapital und Kredit und sehen uns rein rechnerisch an, was der Hebel für Sie bedeutet. Nehmen wir an, Sie wollen 100.000 Einheiten einer Währung bewegen.

Die folgende Grafik verdeutlicht, wie viel Margin Sie als Sicherheitsleistung auf Ihrem Konto zur Verfügung haben müssen, um 100.000 Einheiten am Markt zu bewegen:

Margin Tabelle

Als schlichte Formel: Lots / Hebel = Margin

Gegebenenfalls müssen Sie noch den Umrechnungskurs für Fremdwährungen einbeziehen, wenn Sie ein Paar handeln, dass nicht Ihrer Account-Währung entspricht.

Ein hoher Hebel kann durchaus von Vorteil sein. Wer beispielsweise mit einer Scalping-Strategie arbeitet und somit nur wenige Pips aus dem Markt mitnimmt, kann mit einem hohen Hebel dementsprechend mehr Gewinn aus kleinen Bewegungen mitnehmen. Andere Trader möchten oder können vielleicht nur wenig investieren und sind deshalb auf einen höheren Hebel angewiesen, damit es Ihnen möglich ist, genug Kapital zu bewegen um nennenswerte Gewinne zu erzielen.

Die Kehrseite dürfte relativ eindeutig sein. Je mehr Geld Sie bewegen können, desto eher laufen Sie Gefahr zu viel Risiko in eine Position zu stecken. Der Markt bewegt sich entweder positiv oder negativ für Sie, dabei ist der Pip-Wert aber identisch. Wenn Sie für einen Pip in Ihre Richtung 1 € gewinnen, verlieren Sie im Umkehrschluss auch einen 1 € mit einem Pip entgegen Ihrer Richtung.

Sie sollte dabei im Hinterkopf behalten, dass ein höherer Hebel nicht automatisch einen höheren Einsatz bedeutet. Nehmen wir an, Sie würden standardmäßig 1 Lot handeln. Für Sie würde es keinen Unterschied in Sachen Gewinn und Verlust machen, ob Sie nun einen Hebel von 10 : 1 oder 100 : 1 nutzen würden. Lediglich die Margin für 1 Lot würde davon beeinflusst werden.

Wie mit vielen Dingen im Leben, gilt auch bei Leverage: „Nur weil man kann, muss man nicht.

Manche Länder haben gewisse Regelungen bezüglich des maximalen Hebels und manche Forex Broker knüpfen den Hebel an Ihre Kontogröße. Je nach Broker unterliegen Sie also einigen Einschränkungen, die Sie im jeweiligen Land oder beim jeweiligen Broker vorher überprüfen sollten. Alles andere rund um den Hebel liegt dann in Ihrem Ermessen.

Setzen Sie den Hebel jedoch mit Bedacht ein. Lassen Sie sich nicht zu Trades mit zu hohem Risiko verleiten, nur weil Sie die Möglichkeit dazu haben.


Bildmaterial: © Olivier Le Moal/Fotolia; © VERSUSstudio/Shutterstock

 

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