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Wie viel Kapital braucht man für Forex-Trading?

Forex-Trading ist eine Möglichkeit mit wenig Kapital zu spekulieren und deshalb gerade für Trading-Anfänger sehr reizvoll. Viele Broker bieten inzwischen Konten mit einer Mindesteinzahlung von nur 100 Euro an. Die hat nun wirklich fast jeder übrig, doch macht das auch Sinn? Wie viel Kapital braucht man denn für Forex-Trading?

Risiko Management

Das wichtigste beim Trading ist das eigene Risiko Management. Doch je kleiner das eigene Konto, desto mehr steht dies natürlich auch im Weg. Wenn erfahrene Trader empfehlen sich ein Tages-Loss zu setzen, also die maximale Summe die ein Trader am Tag verlieren sollte, dann reden sie von ca. 2 % des Tradingkontos. Wer nun also nur 100 Euro auf dem Konto hat, müsste entsprechend bei 2 Euro Verlust für diesen Tag aufhören. Noch schwieriger wird es bei der Empfehlung nur 1% des Gesamtkontos pro Trade aufs Spiel zu setzen. Das wäre also 1 Euro.

Läuft es schlecht, hat der Trader gerade einmal zwei Trades in den Sand gesetzt und müsste für den Tag Schluss machen.

Gerade Trader mit solch kleinen Konten sind natürlich die ersten Kandidaten, die auf das so wichtige Risiko Managment einfach pfeifen. Doch genau dieses ist es, neben einer erfolgreichen Strategie, was Trader letztlich wirklich erfolgreich macht. Denn zuerst steht nicht die Frage wie viel ein Trader verdient, sondern wie viel er Verlust macht. Denn Verluste machen gerade zu Beginn die Meisten.

Hebel (Leverage) – Fluch und Segen

Trotzdem ist es natürlich sehr verlockend mit dem Forex-Trading viel Geld zu verdienen. Der Hebel (Leverage) hilft dabei und wird gleichzeitig zur Falle. Wer mit einem Hebel, egal ob 1:100 oder 1:500 seine Geschäfte tätigt, kann mit sehr wenig Geld sehr hohe Beträge erwirtschaften. Das ist verlockend. Gerade wenn eben nur 100 Euro zur Verfügung stehen.

Doch entsprechend sieht eben auch die Verlustseite aus, welche gerne dabei außer Acht gelassen wird. Bei einem hohen Hebel bedeuten die kleinsten Ausschläge von wenigen Pips eben nicht nur hohen Gewinn sondern auch große zwischenzeitliche Verluste. Klar, die werden natürlich mit einem Stop-Loss abgesichert, doch genau der wird eben zum Problem, wenn er gemäß Risiko Management bei nur einem Betrag von 1 Euro im Minus auslöst.

Ein kleiner Rücksetzer im Kurs schmeißt den Trader somit schon vorzeitig aus einer vielleicht sogar ansonsten funktionierenden Strategie raus. Der Trader muss nun zusehen, wie der Gewinn ohne ihn gemacht wird. Er hat dagegen den Verlust.

Wer also mit kleinem Konto anfängt, sollte daher ganz bewusst eben nicht einen großen verlockenden Hebel wählen. Wer dies beherzigt, wird aber schnell merken, dass er mit Trading kaum Geld verdient. Bei einem Gewinn-Verlust-Verhältnis von beispielsweise 2:1 macht ein Forex-Trader pro erfolgreichem Trade nur 2 Euro. Um davon leben zu können, müsste er also mehr als 100 erfolgreiche Trades pro Tag machen! Nur werden keinem noch so erfolgreichem Trader eben nur Gewinntrades gelingen.

Es macht also einen großen Unterschied, ob man sich mit dem Forex-Trading nur die Altersvorsorge aufbessern, nebenberuflich mit dem Handel am Devisenmarkt einfach den Urlaub finanzieren möchte oder eben davon leben muss. Es kommt immer auf die jeweilige Trading Performance an. Anhand Ihrer durchschnittlichen prozentualen Performance und in Anbetracht Ihrer Lebensunterhaltskosten, können Sie sich selbst ausrechnen welches Anfangsbudget bzw. Kapital Sie benötigen, um von den Gewinnen leben zu können.

Doch warum werden dann immer wieder die kleinen Konten als „ausreichend“ angepriesen? Der Grund ist denkbar einfach. Natürlich will der Broker gerade Anfänger als neue Kunden gewinnen. Die Hemmschwelle mit 100 Euro zu traden, ist eben sehr gering. Da „versucht“ der eine oder andere eben auch gerne mal sein Glück. Dem Broker ist der folgende Verlust egal, der verdient am Spread immer, egal wer gewinnt oder verliert.
Je mehr Menschen traden, desto besser für ihn. Und mit 100 Euro ist der Einstieg eben verdammt leicht geworden. Das heißt jedoch nicht, dass man es nicht auch mit 100 Euro schaffen könnte. Vom Tellerwäscher zum Millionär? Ja, das geht auch mit Forex-Trading. Insofern sind viele Versprechungen im Internet zwar höchst unseriös, dennoch nicht unbedingt falsch.

Auf die Strategie kommt es an

Es ist ein einfaches Rechenexempel. Wer nur 1 Euro am Tag Gewinn macht und immer mit dem selben prozentualen Einsatz tradet, wird in acht Jahren aus 100 Euro eine Million gemacht haben. Theoretisch! Dass heißt, der Trader müsste nachdem er sein Tradingkonto verdoppelt hat, entsprechend doppelte Positionen eingehen, wenn er damit sein Konto vervierfacht hat entsprechend vierfache. Er macht eben irgendwann nicht nur 1 Euro am Tag Gewinn sondern 4 Euro. In wenigen Monaten schon 40 Euro, 400 Euro u.s.w.

Doch zwischen Theorie und Praxis besteht eben immer noch ein kleiner feiner Unterschied. Die Theorie würde nicht nur extrem viel Disziplin und Durchhaltevermögen erfordern, sondern auch noch eine über Jahre hinweg funktionierende Trading-Strategie. Wer diese gefunden hat bzw. seine Strategie auch den wechselnden Gegebenheiten immer erfolgreich anpassen kann und dabei das Risiko Management streng beachtet, dem kann der große Coup durchaus auch mit einem 100 Euro Konto gelingen.

Die Erfahrung zeigt jedoch, dass die menschliche Psyche da wohl eher nicht mitspielt. Gerade Menschen, die aus finanziellen Gründen mit nur 100 Euro anfangen müssen, werden spätestens wenn das Tradingkonto auf einige tausend Euro angewachsen ist, anfangen ihren Lebensstil zu ändern. Die Tradinggewinne werden dann dafür gebraucht. Das Konto kann nicht weiterwachsen.

Und das ist ja auch nicht schlimm. Denn wer es bis dahin schafft, hat zumindest eben diese so wichtige Strategie für sich gefunden. Und darum geht es letztendlich immer.

Wer also klug ist, fängt gar nicht erst an mit seinem Geld herum zu spielen, sondern entscheidet sich für ein sogenanntes Demokonto. Auf diesem können gerade Anfänger sehr viel über das Geschäft lernen. Sie können sich ausprobieren und zumindest erst einmal soweit kommen, dass sie mit einer Strategie keine Verluste mehr machen. Wer clever ist, legt in dieser Zeit des Lernens, jeden Monat ein paar Euros zur Seite, um später mit einem größeren Konto beginnen zu können. Zudem ermöglicht das Risiko Management vielleicht auch noch andere erfolgreiche Strategien, welche mit einem kleinen Konto gar nicht möglich gewesen wären.

Wer anfängt regelmäßige Gewinne im Demokonto zu realisieren, kann auf ein kleineres Mikrokonto umsatteln. Mit diesem wird sich noch einmal viel ändern. Die Psyche kommt dann nämlich das erste Mal ins Spiel. Und genau deshalb sind diese kleinen Konten selbst für Anfänger mit größeren finanziellen Möglichkeiten gar nicht verkehrt. Es ist eben einfach etwas anderes, ob man einen Euro virtuellen Verlust macht oder ob der eine Euro einem selber gehört! Je höher die Summen desto mehr ärgern sich Trader dann auch über die Verluste. Damit entsprechend gelassen umzugehen, will ebenfalls erst gelernt sein.

Wissen ist Geld

Wer sich entsprechend über Wochen und Monate hinweg das nötige Wissen über das Forex-Trading angeeignet hat, dem ist die Höhe des Kontos schnell egal. Denn er weiß, dass er mit seiner Strategie erfolgreich kleinere oder größere Gewinne machen kann. Und erst dann sollte jeder Trader auch erst wirklich sein hart erarbeitetes Geld einsetzen.

Egal ob jemand davon unbedingt leben oder sich den Urlaub erwirtschaften will, ohne entsprechende Grundkenntnisse bleibt es letztlich ein Glücksspiel. Wer jedoch die Chartformationen gelernt hat richtig zu deuten oder fundamentale Daten einzuordnen weiß, der wird letztlich mehr Gewinne als Verluste machen und sein Konto, egal wie klein es einmal war, wird wachsen. Wer gleich davon leben will, muss eben meist seine ganzen Ersparnisse einsetzen. Manch einer verzichtet lieber auf das neue Auto, den jährlichen Urlaub oder entscheidet sich den alten Flat-TV noch ein paar Jahre weiter zu nutzen, statt schon wieder den neusten zu kaufen.

Die meisten Menschen könnten das benötigte Geld für ein hohes Tradingkonto schon irgendwie aufbringen, doch wirklich erfolgreich sind meist die geworden, die am Anfang gar nicht so viel übrig hatten. Die mussten sich nämlich Cent für Cent die großen Konten erwirtschaften und haben ihre Hausaufgaben dabei gemacht. Insofern sind die 100 Euro Konten ein gutes Mittel um sich aus zu testen. Wer es mit 100 Euro nicht schafft kleine Gewinne zu erwirtschaften, wird auch mit einem großen Konto nicht zwangsläufig erfolgreicher sein.

Auf gar keinem Fall empfiehlt es sich aber mit geborgten Geld zu traden. Die Verlockung ist groß, ca. 10% Zinsen auf der einen Seite, vielfach Gewinne beim Traden, dank des plötzlich großem Kontos, auf der anderen. Doch was, wenn die so gut geglaubte Strategie plötzlich nicht mehr funktioniert?

Wie bereits erwähnt: Es geht immer als erstes darum, keine Verluste zu machen! Ein verzockter Kredit wäre die schlimmste Form des Verlustes. Dann doch lieber mit einem kleinen Konto arbeiten, bei welchem auch schlimme Komplettverluste mental verkraftet werden können.

Und allen, die mit einem kleinen Konto traden, sei gesagt. Natürlich ist es mühsam, klar ist es irgendwie ärgerlich, wenn die anderen Trader mit großen Konten 100fache Gewinne mit den gleichen Strategien einfahren. Doch „Kleinvieh macht auch Mist“! Neid ist schon immer ein schlechter Ratgeber gewesen. Nur mit Disziplin und Durchhaltevermögen geht es, aus dem kleinen Konto ein großes zu machen. Wer gleich mit einem großen Konto anfängt, kann theoretisch auch gleich davon leben, praktisch hat er meistens aber gleich ganz große Verluste.


Bildmaterial: © alexbrylovhk/Fotolia

 

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