MetaTrader Handelsplattform
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MetaTrader – die innovativste Handelsplattform der Welt

MetaTrader ist eigentlich der Oberbegriff für eine Software- Suite des Herstellers MetaQuotes. Die Software-Suite bietet alle nötigen Programme, um einen Brokerbetrieb aufzubauen. Im Folgenden wird jedoch nur auf das Client Terminal eingegangen, das Frontend für Trader. MetaTrader Client Terminal ist eine Trading Software, die in erster Linie auf die Entwicklung und den Betrieb automatischer Handelssysteme ausgelegt ist. Sie besteht aus zwei Komponenten: dem MetaTrader Terminal und dem MetaEditor.

Das MetaTrader Terminal bietet dem Anwender eine grafische Oberfläche mit Charts und Indikatoren, wie man es auch von anderen Programmen kennt. Die Anwendung sticht dadurch hervor, dass im Terminal selbsterstellte Indikatoren, Skripte und sogenannte „Expert-Advisors“ eingesetzt werden können. Expert Advisors (EAs) stehen in der MetaTrader-Terminologie für automatische Handelssysteme.

MetaEditor ist die Entwicklungsumgebung, in der Indikatoren, Skripte und EAs programmiert werden können. Die eingesetzte Programmiersprache heißt MQL und ist ein C-Derivat. Das Besondere an MetaTrader ist – und das erklärt vermutlich auch die starke Verbreitung der Software –, dass sie für den Anwender kostenlos ist; sogar die historischen Daten, mit denen gearbeitet werden kann.

Die Software kann von der Hersteller-Webseite oder direkt bei einem der zahlreichen Broker heruntergeladen werden. Bisher ist noch kein anderer Software-Hersteller auf diesen Zug aufgesprungen. Die rasante Verbreitung der Software wurde zudem durch die Verbreitung kommerzieller EAs angekurbelt. Mittlerweile ist eine unüberschaubare Menge von EAs, sprich von vollautomatischen Handelssystemen, für jedermann für ein paar hundert Dollar ohne laufende Kosten zu haben – klar, dass das zu einem Selbstläufer wurde. Es gibt mittlerweile mehrere Versionen der Handelsplattform. Das ürsprüngliche und am weitesten verbreitete Programm ist Version 4. Andere Versionen wurden von verschiedenen Brokern speziell erweitert, wie etwa „MetaTrader 4 Pro“ oder „MetaTrader 4 Supreme“. Dazu kommt die aktuelle Version 5, die mit den beiden anderen Versionen nicht kompatibel ist. Sie wurde weitgehend neu programmiert und ist für den Handel mit Optionen und Futures vorbereitet. Allerdings wird diese Erweiterung kaum von den Brokern genutzt. Als Hauptarbeitswerkzeug wird die Technische Analyse vom Monatschart bis hinunter zur Analyse im Minutentakt eingesetzt. Alle Fenster lassen sich ausblenden, die komplette Arbeitsoberfläche lässt sich als sogenanntes „Profil“ abspeichern. So kann man mit einem Mausklick auf verschiedene Profile zugreifen. Über den Charts befindet sich eine Arbeitsleiste, mittels derer man zwischen drei verschiedenen Darstellungsarten (Linien-, Kerzen-, Balkenchart) auf verschiedenen Zeitrahmen umschalten kann. Das mag für viele Trader zu wenig sein. Die Programmiersprache lässt jedoch alle Möglichkeiten offen, weitere Chartarten zu programmieren.

MetaTrader TerminalIm Internet findet man bereits fertige Indikatoren, die Point&Figure-Charts und Zig-Zag-Darstellungen generieren. Übliche Arbeitswerkzeuge wie Linien, Kanäle, Gann- Techniken, Fibbonacci, und Zyklen sowie Indikatoren, unterteilt in Trends, Oszillatoren und Volumen, sind über das Dropdown-Menü anwählbar. Eingefügte Indikatoren in den Chartfenstern lassen sich als Schablonen – sogenannte „Templates“ – abspeichern und stehen dann für andere Währungspaare zu Verfügung. So kann man ein Währungspaar in verschiedenen Zeitrahmen mit verschiedenen Indikatoren anlegen, diese dann als Profil speichern und sich so die Grundlage für das tägliche Arbeiten schaffen. Mittels eines sogenannten „MQL5-Wizard“ wird man durch eine ausgefeilte Menüführung komfortabel bei der Entwicklung von Handelssystemen unterstützt, um diese dann nach ausgiebigen Tests im realen Handel auf eines oder mehrere Instrumente einzusetzen. Neue Indikatoren und Handelssysteme stellt MetaQuotes nach Prüfung in der Datenbank „Code Base“ zur Verfügung, die man ebenfalls direkt aus dem Programm anwählen kann.

In den letzten zwölf Jahren gab es viele Softwareprodukte, die für den Online-Handel entwickelt wurden. Keines davon hat so eingeschlagen wie das von der russischen Schmiede MetaQuotes entwickelte Programm MetaTrader. Mittlerweile in Version 5 erhältlich, ist sein Siegeszug um die Welt noch lange nicht zu Ende.

Alles begann im Jahr 2000, als der Zugang zum Internet für jeden erschwinglich wurde und eine DSL-Leitung das Trading auch von zu Hause ermöglichte. Plötzlich kam der Handel von Währungen, vor diesem Zeitpunkt nur institutionellen Händlern vorbehalten, in Mode. Aus einer anfänglichen Nischenbranche entwickelte sich mit der Zeit eine komplette Industrie, die mittlerweile weltweit Millionen von Privatleuten den Traum vom schnellen Reichtum träumen lässt.

Das russische Unternehmen MetaQuotes war maßgeblich an der Erfüllung dieser Träume beteiligt, indem es dem Trader zunächst die Handelsplattform FX Charts kostenlos zu Verfügung stellte. Später wurde daraus MetaQuotes. Die Umbenennung ermöglichte es der Kundschaft zusätzlich, nicht nur Währungspaare, sondern auch CFDs zu handeln. Ein Jahr später setzte man Verbesserungsvorschläge der Anwender um und entwickelte MetaTrader. Die Handelsplattform legte noch einmal an Funktionsvielfalt zu, zeigte eine verbesserte Performance und beinhaltete zudem die erste Version von MQL, MetaQuotes-Language. Fortan war der Trader in der Lage, buchstäblich alles, was in Formeln zu fassen ist, zu programmieren und grafisch darzustellen.

Mittels Ein- und Ausstiegsregeln war es zudem ohne weitere Kosten möglich, Handelssysteme zu programmieren und diese mittels Realtime-Kursen des Forex-Marktes auf kostenlosen Demokonten zu testen. Diese Maßnahmen sorgten für eine derartige Verbreitung, wie man sie bis zu diesem Zeitpunkt von keiner anderen Handelssoftware gekannt hatte. Vor MetaTrader musste der angehende Handelssystementwickler für Programme mit entsprechender Programmieroberfläche teilweise mehrere tausend Euro zahlen – Realtime-Kursversorgung nicht eingerechnet. Je kürzer die Zeiteinheit, desto teurer wurde es. Mit den Möglichkeiten, die MetaTrader bot, wurden neue Anlegergruppen erschlossen, die sonst nicht einen Intraday Trade gemacht hätten.

Die 2003 programmierten mobilen Applikationen entwickelten sich zu den meistgenutzten weltweit. Mit der im Jahr 2005 fertiggestellten Version 4 kam es zum sprunghaften Anstieg der Nachfrage von Brokerseite, die bis heute anhält. Die Programmiersprache wurde abermals verbessert und war ein weiterer Schritt in Richtung Marktführerschaft.

Nicht zuletzt ist MetaTrader so erfolgreich, weil er neben einer stabilen Handelsplattform eine komplette Chart- und Analysefunktion sowie eine eigene Programmiersprache zum Entwickeln und Testen von automatisierten Handelsstrategien bietet. Anleger können MetaTrader selbst durch Programme erweitern und damit auf ihre Bedürfnisse abstimmen. Je mehr Broker die Software einsetzten, desto mehr Indikatoren und Ideen zum automatischen Handel wurden von gewieften Software-Ingenieuren umgesetzt. Automatisch handeln per sogenanntem „Expert- Advisor“ (kurz EA) ist seitdem ein Renner.

Nahezu alle Broker bieten ein Demokonto mit virtuellem Spielgeld an, das man zu Beginn seiner Trading-Laufbahn rege nutzen sollte, da man auch dort immer die original gehandelten Forex-Kurse geliefert bekommt. Dies ist auch das Haupteinsatzgebiet von MetaTrader.

Unterschied zwischen MetaTrader 4 und MetaTrader 5

Die Veröffentlichung der Version 5 des MetaTrader stellt viele Boker vor die Entscheidung, entweder die alte Version zu ersetzen oder das Angebot zu erweitern. Schließlich sind einige Features im MetaTrader 5 hinzugekommen, die den Handel komfortabler und einfacher machen. So kann man direkt aus dem Orderbuch handeln. Die größte Neuerung, die MetaTrader 5 mit sich bringt, ist jedoch die Loslösung von Forex und CFDs. Mit dem MetaTrader 4 war es bisher nur möglich, Devisen und CFDs zu traden – eine Restriktion, die den Trader ungemein einschränkte. Seit Einführung der neuen Version können nun auch Aktien, Futures und Optionen gehandelt werden. Für die MetaTrader-Anwender eröffnet sich damit eine neue Welt. Diese Neuerung ist so tiefgreifend, dass eben dieses Major Release nötig war. Im MT4-Modell war beispielsweise der Handel an einer regulären Börse gar nicht vorgesehen. Noch steht MetaQuotes in Verhandlungen mit den verschiedenen Terminbörsen und Brokern. Trotz der Möglichkeit, Optionen und Futures direkt zu handeln, wird die neue Plattform bisher kaum genutzt. Stattdessen bieten mittlerweile immer mehr Broker Erweiterungen für MetaTrader 4 an, um diese um die neuen Features zu erweitern.

Die meisten Broker fahren mittlerweile zweigleisig. So können die Kunden wählen, welche Plattform sie bevorzugen. Hier kommt es darauf an, was man will. Der MetaTrader 5 ist sehr stark auf den Handel über direkte Marktzugänge ausgerichtet. Die Plattform richtet sich an einen anderen Anleger-Typus. Während der MetaTrader 4 für den durchschnittlichen Trader vollkommen ausreichend ist, wurde der MetaTrader 5 für professionelle Anleger entwickelt.

MetaTrader 4 wird nicht verschwinden

Auf die Frage, ob die alte Version irgendwann komplett von der neuen Version abgelöst wird, antworteten alle Interviewpartner, dass dies auf absehbare Zeit nicht passieren wird. MT4 bietet beliebte Funktionen, die durch MT5 nicht unterstützt werden. So steht beispielsweise Hedging im MT5 nicht zur Verfügung. Zudem sind sämtliche MetaTrader 4 EAs nicht mit MetaTrader 5 kompatibel.

Fazit

Obwohl MetaQuotes mit der neuen Version 5 den Abstand zwischen Profi- und Teilzeit-Trader minimiert hat, sind viele User, die schon seit Jahren mit dieser Plattform handeln, nicht zu einem Wechsel bereit. Durch die Spezial-Versionen verschiedener Broker wird ein Mittelweg beschritten, der die Vorteile der neuen Version gegenüber der alten Version schrumpfen lässt. Diese Vorgehensweise dürfte dafür sorgen, dass Handelssysteme auf dem MT4 noch lange Zeit entwickelt und benutzt werden.

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