News-Trading
Strategien & Wissen

News-Trading – Einführung, Grundlagen und Tipps

Was bedeutet News-Trading?

News-Trading ist eine besondere Strategie, die im Allgemeinen davon ausgeht, dass die Veröffentlichung bestimmter Nachrichten zu einem bestimmten Zeitpunkt einen Einfluss auf die kurzfristige Wertentwicklung eines Basiswertes hat.

Die Veröffentlichung kann hierbei im Prinzip jede erdenkliche Information betreffen. Beim News-Trading handelt es sich um eine Strategie, die recht umstritten ist. Welche Gründe das hat, welche Ansätze man als Trader verfolgen kann, und wie sich eine Trading-Strategie hieraus entwickeln lässt, verrät dieser Artikel.

Veröffentlichungen von wirtschaftsbezogenen Nachrichten passieren weltweit täglich tausendfach. Nun ist es jedoch nicht der Fall, dass ein Trader in Bezug auf all diese Nachrichten immer up to date sein kann, und andererseits gibt es brisante und weniger brisante Nachrichten. Diese wirken sich auch in unterschiedlichem Umfang auf die Wertentwicklung des Basiswertes aus. Wie eine Unterscheidung hinsichtlich der Wichtigkeit dieser Veröffentlichungen vorgenommen werden kann, ist Grundlage dafür, News-Trading erfolgreich zu betreiben.

 

Allgemeine Informationen zum Thema

News-Trading ist nicht an einer einzelnen Strategie festzumachen. Vielmehr existieren unterschiedlichste Ansätze, die das Trading von Nachrichten zur Grundlage haben. Es ist durchaus
möglich, News als einzige Strategie zu benutzen, jedoch werden vielfach auch andere Strategien angewandt und News nur nebenbei mitbewertet.

Im Allgemeinen sind sich Experten uneinig darüber, ob News-Trading überhaupt funktioniert und auf Dauer erfolgreich sein kann. Es gibt Vertreter bestimmter Theorien, die behaupten, dass alle verfügbaren Informationen bereits im Preis eines Basiswertes enthalten sind und aus diesem Grund ein Informationsvorsprung, bzw. -defizit nicht notwendigerweise zu einem Vorteil oder Nachteil an den Märkten führt. Durchaus lassen sich jedoch auch Belege dafür finden, dass bei Veröffentlichung bestimmter Wirtschaftszahlen gewisse Basiswerte darauf reagieren.

Dies kann sich in kurzfristigen Preisschwankungen, sogenannten Breakouts, als auch in bestimmten Fällen in Trendumkehr bemerkbar machen. Dabei sind der Effekt, die Stärke der Auswirkungen und die Reaktion des Kurses von Neuigkeit zu Neuigkeit und von Basiswert zu Basiswert verschieden.

Eine gute Kenntnis des getradeten Wertes und auch der wirtschaftlichen Gesamtumstände machen News-Trading zu einer anspruchsvollen Aufgabe, die bei richtiger Anwendung und bei Beachtung der gebotenen Risikoabsicherung aber hochprofitabel sein kann.

Es ist dabei im Grunde Geschmacksache, welche Art von Trading angewandt wird, also ob kurzfristiger oder langfristiger Handel. Das Handeln von Breakout und Reverse ist in der Regel eher zugeschnitten auf kurzfristige Trades, es ist aber auch problemlos möglich, bei Veröffentlichung von bestimmten Informationen einen längeren Swing-Trade zu eröffnen und einen ganzen Trend mitzunehmen.

 

Vorteile von News-Trading gegenüber anderen Strategien

Die Vorteile liegen insbesondere darin, dass eine komplexe Analyse der aktuellen Charts mit technischen Methoden und Indikatoren in den Hintergrund rückt. Die Aussagekraft von Indikatoren ist bei Anwendung von News stark eingeschränkt. Ein Trader muss sich also in erster Linie nur mit seinem Basiswert und den anstehenden Neuigkeiten befassen. Dies bedeutet natürlich nicht, dass das Trading von News wenig Arbeit und ein sicherer Gewinn ist. Im Gegenteil; ausschließliches News-Trading zählt eher zu den Strategien für fortgeschrittene Trader.

Ein weiterer Vorteil ist die zeitliche Absehbarkeit. Bestimmte News werden in zeitlich regelmäßigen Abständen veröffentlicht und lassen sich dementsprechend sehr gut timen und im Voraus planen. Der Trader weiß genau, wann die Veröffentlichung ansteht und kann sich anhand seines Kalenders sehr gut auf das Ereignis vorbereiten und im Vorfeld seinen Chart analysieren.

 

Wie bereitet man sich vor? Einige Tipps!

Als erstes sollte ein Basiswert ausgesucht werden. Dabei sollte man sich in der Regel auf möglichst wenige Werte beschränken, um nicht den Überblick zu verlieren. Zudem erhöht die Konzentration auf einen bestimmten Basiswert die Handlungssicherheit in Bezug auf die Veröffentlichung, da man sich an das „Verhalten“ des Index oder des Währungspaares bzw. der Aktie gewöhnen kann.

Trader beim News-TradingDanach gilt es, die Art der Veröffentlichung zu bestimmen, welche man bevorzugt traden möchte. Es wird hier hauptsächlich zwischen News unterschieden, welche regelmäßig, beispielsweise alle vier Wochen, oder nur einmalig veröffentlicht werden. Meist eignen sich regelmäßig veröffentlichte Nachrichten eher für kürzere Trades und für große Indizes oder Forex-Majors. Einmalige Nachrichten sind normalerweise eher für bestimmte Aktien interessant.

Die Termine dieser News sind in sogenannten Wirtschaftskalendern vermerkt. Diese sollten Sie auf jeden Fall benutzen. Der wesentliche Vorteil neben der Übersichtlichkeit und der verschiedenen Erinnerunbgsfunktionen liegt auch darin, dass in der Regel dort vermerkt ist, wie stark sich die Veröffentlichung einer Nachricht auf den Basiswert auswirkt. Dies basiert auf Erfahrungen aus der Vergangenheit.

Danach wird der Basiswert selbst untersucht – einerseits muss festgestellt werden, welche Art von Trend aktuell vorherrscht, also Aufwärtstrend, Abwärtstrend oder Seitwärtstrend. Diese Einschätzung kann mit den gängigen Methoden der technischen Chartanalyse getroffen werden. Besonders beliebt sind Seitwärtsmärkte, da hier die Stimmung der Marktteilnehmer unentschlossen ist und sich der Kurs noch nicht für eine eindeutige Richtung entschieden hat. Dies ist eine psychologisch wertvolle Sitation für den News-Trader. Es könnte in dem Fall passieren, dass die Veröffentlichung der anstehenden Nachricht den Umschwung in Richtung eines klaren Trends bringt.

Zudem ist es bei der Bewertung des Marktumfeldes auch wichtig, ob der Markt auf ähnliche Nachrichten in der Vergangenheit bereits stark oder nur mäßig reagiert hat. Als erstes sollte deshalb auf den Wirtschaftskalender zurückgegriffen werden und geklärt werden, wie wichtig die Nachricht eingestuft wird. Dann sollte die Vergangenheit analysiert werden. Bei regelmäßigen Nachrichten wird hierzu der Chart zu der genauen Uhrzeit an den Tagen analysiert, als die Nachricht veröffentlicht wurde.

 

Wie wird der Trade absolviert?

Es gibt verschiedene Wege, eine anstehende Nachricht zu traden. Hierbei wollen wir die drei wichtigsten vorstellen.

 

Das Trading von Breakouts

Beim Trading von Breakouts gibt es wiederum zwei unterschiedliche Arten, sich vorzubereiten. Breakouts sind erwartete Kursveränderungen, die schnell und volatil direkt nach der Veröffentlichung geschehen, also ein Ausbruch in long oder short Richtung.

Entweder nutzen Sie die Prognose, wie die Zahl sich auswirken wird, also positiv für Ihren Basiswert, oder negativ. Dann platzieren Sie eine Stop-Order long ode short, je nachdem, welche Kursveränderung Sie aufgrund der Prognose erwarten können. Da dies aber durchaus riskant ist, da entweder die Prognose falsch sein kann, oder der Markt unvorhergesehen reagiert, sollten Sie auf jeden Fall einen Stop-Loss einbauen. Beachten Sie immer, dass das Trading von News riskant sein kann. Wir stellen Ihnen hier am Beispiel einer der wichtigsten Nachrichten für den USD, den Einzelhandelsumsätzen der USA, vor, wie ein Breakout-Trade aussehen könnte.

Trading von Breakouts
Hier sieht man deutlich, wie sich die Neuigkeit auf den Kurs ausgewirkt hat. Der EUR/USD ist hier im H1-Chart zu sehen. Der Markt tendiert vor der Veröffentlichung in einem Seitwärtstrend und die Anleger warten ab. Sowie die Neuigkeit veröffentlicht ist, reagiert der Markt. In diesem Fall ist die erwartete Prognose deutlich übertroffen worden, was für den USD sehr positiv war. Der USD ist also gegenüber dem EUR gestiegen – der Euro im Kurs gegenüber dem USD also gefallen. Ein Einstieg wäre mittels Sell-Stop direkt beim Breakout erfolgt (blau), der Stop-Loss ein wenig über den letzten low-volatility-Kerzen (rot). Den Take-Profit hätte man beim Rebounce realisieren können (grün).

 

Die zweite Möglichkeit wäre gewesen, die Prognose zu übergehen und das Verhalten des Marktes abzuwarten. Diese Taktik ist jedoch in der Regel mit starker Slippage verbunden, da der Broker die Order in einem so volatilen Marktumfeld oft zu schlechten Einstiegskonditionen ausführt. Das Bewerten der Prognose ist meistens sinnvoller und man hat einen besser getimten Einstieg in den Markt.

 

Trading der Reversion

Trading der Reversion

Eine andere, weniger volatile Variante ist das Trading der Reversion. In den meisten Fällen sorgen die Breakouts nicht für einen dauerhaften Trend sondern bedeuten nur eine kurzfristige Volatilität am Markt. Trader machen sich die zunutze, indem sie abwarten, bis die Volatilität sinkt und der Markt den Ausbruch in die Gegenrichtung korrigiert. Dies nennt man Reversion bzw. Rebounce. Man erkennt dies mithilfe von Charttechnik und Candlesticks. Wenn die Kerzen lange Dochte ausbilden und der Körper verhältnismäßig klein ist, das Volumen an einzelnen Kerzen abnimmt und die Volatilität sinkt, ist es wahrscheinlich, dass der Markt wieder korrigieren wird. In diesem Fall wird ein Trade gnau entgegen des Breakouts eröffnet. Stop-Loss erfolgt unter den letzten Breakout-Candles und Take-Profit prinzipiell nach Belieben. Es kann auch ein dynamischer Trailing-Stop nachgezogen werden. Der Einstieg ist wieder blau, der mögliche Take-Profit grün und der Stop-Loss rot markiert. Diese Art News zu traden, ist Anfängern besonders zu empfehlen. Sie hat den wesentlichen Vorteil, dass das Verhalten des Basiswertes beim Breakout zuerst nur beobachtet wird, ohne selbst im Markt zu sein. Der Markt verhält sich wenitaus weniger panisch und volatil während der Reversion. Zudem kann besser abgeschätzt werden, wann ein möglicher Ausstieg erfolgen sollte.

 

Swing-Trading bei Aktien

Die letzte Art von News-Trading, die wir vorstellen möchten, ist das Swing-Trading bei Aktien. Insbesondere bei Aktien ist die Veröffentlichung von unternehmensbezogenen Neuigkeiten und Nachrichten wichtig für das Verhalten der Anleger. News-Trading hat in erster Linie mit Psychologie zu tun. Der eigentliche Marktwert von Basiswerten ändert sich nicht durch Nachrichten, lediglich das Interesse und die Panik von Anlegern sorgen dafür, dass entweder zu viel gekauft oder verkauft wird. Diese Schwankungen wollen Trader geschickt ausnutzen, um ihren Profit daraus zu schlagen.

Volkswagen Chart
Volkswagen Chart. Quelle: Finanzen.net

Am Beispiel der VW-Aktie lässt sich sehr schön beobachten, wie Anleger reagiert haben, als der Abgasskandal veröffentlicht wurde. Die Aktie fiel von 169 auf bis knapp über 85 Euro. Ein solches Ereignis passiert natürlich nicht so oft, dass man es regelmäßig in eine Trading-Strategie umwandeln könnte. Unternehmen veröffentlichen jedoch oft genug interne Informationen, die entweder die Aktie selbst oder aber auch ein neues Produkt betreffen. Wenn ein neues iPhone vorgestellt wird, schlägt sich das in der Apple-Aktie nieder. Amazon führt ein neues Bezahlsystem ein – die Aktie steigt aufgrund von erwarteten Mehrverkäufen über die Plattform. Im Fall der VW-Aktie hätte man einen short Trade durchaus in Erwägung ziehen können. Genauso hätte man aber auch in Form eines Swing-Trades die Reversion traden können. Die Aktie erholte sich innerhalb weniger Monate wieder um über 70 Prozent.

 

Fazit

Es ist eine Art von Trading, die vielleicht manchem eher liegt, als das trockene Auswerten von Indikatoren und Fundamentaldaten. Neuigkeiten sorgen immer für eine höhere Volatilität am Markt und auch oftmals irrationales Verhalten der Anleger. Dadurch lassen sich allerdings schnelle und oft hochprofitable Trades absolvieren. Sie sollten aber niemals die Risiken dieser hohen Volatilität verkennen. Es ist nicht in Stein gemeißelt, dass beispielsweise ein Übertreffen der Erwartungen und Prognosen auch tatsächlich einen Kursanstieg verursacht. Anleger verhalten sich nicht rational, sondern reagieren oft sehr unterschiedlich auf Ereignisse. Ein Stop-Loss sollte selbstverständlich sein, da sich der Markt auch schnell und dynamisch in die Gegenrichtung entwickeln kann.


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