Pullback Trading
Strategien & Wissen

Professionelles Pullback Trading

Eine recht einfache Strategie, welche für Trading Anfänger leicht und schnell umsetzbar ist, aber dennoch auch von vielen Profis erfolgreich angewendet wird, ist das sogenannte Pullback Trading.

Es gibt viele professionelle Pullback Trader, welche sich dieser einfachen Handelsstrategie verschrieben haben. Wie der Name schon verrät, spielt der sogenannte Pullback dabei die Hauptrolle. Ein Pullback ist dabei schnell erklärt. Nachdem eine charttechnisch relevante Marke nach oben durchbrochen wurde, folgt meist ein weiterer Kursanstieg.

Die Gründe dafür sind recht logisch. Zum einen werden nach dem Durchbruch viele „shorts“ ausgestoppt und viele davon orientieren sich neu auf „long“. Diejenigen, welche aber schon auf long positioniert sind, fühlen sich bestätigt und vergrößern oft ihr Investment noch zusätzlich. Die Nachfrage ist viel höher als das Angebot. Viele Trading Anfänger werden nun zudem noch schnell auf den Zug aufspringen wollen. Das alles geschieht bis die Nachfrage sinkt und das Angebot die Hoheit zurückbekommt.

Jetzt werden die ersten Anleger Ihre Gewinne mitnehmen. Der kleine Kursrückgang wird wahrscheinlich den Stopp-Loss der kurzfristig positionierten Anleger auslösen und zu einem weiteren Kursrückgang führen, denn das Angebot wird dadurch immer größer als die Nachfrage.

Als nächster Faktor kommt vielleicht noch ein Widerstand hinzu, bei welchem ohnehin einige kurzfristige Trader den Markt geshortet hätten. Alles zusammen führt dazu, dass es zu einem sogenannten Pullback kommt. Der Kurs fällt.

Pullback TradingUnd hier beginnt die eigentliche Pullback Trading-Strategie. Denn genau darauf hoffen die professionellen Pullback Trader. Sie bekommen damit bestätigt, dass der Trend sich fortsetzen wird. Je näher der Kurs nun an den ursprünglichen Durchbruchswert heran fällt, desto mehr werden sich noch nicht positionierte Marktbeobachter freuen. Denn nun bekommen sie die Chance noch einmal günstig in den Markt einzusteigen und von dem wahrscheinlich anstehenden Trend zu profitieren. Die kurzfristigen Shorter werden ihre Gewinne mitnehmen und diejenigen, welche schon von Anfang an dabei sind, nutzen die Gelegenheit um ihre Positionen nochmal zu vergrößern. Das Verhältnis von Angebot und Nachfrage kippt also wieder zugunsten der Nachfrage. Entsprechend zieht also der Kurs wieder an. Sobald der Kurs ein neues Hoch erreicht hat, wird dann das Spiel wahrscheinlich von vorne beginnen.

Auf der Suche nach dem Trend

Die Schwierigkeit bei dieser Strategie besteht lediglich darin, einen Trend zu finden bei welchem das beschriebene Szenario auch eintritt. Natürlich kann die Situation auch fehlgedeutet werden und der Pullback entpuppt sich als Richtungswechsel des Kurses. Erfahrene Trader suchen dazu am Tag hunderte bis tausende Charts durch. Meist ergeben sich gleich mehrere Chancen, doch auch dazu braucht man Erfahrung und das berühmte Auge, um die kommenden Trends schnell zu erkennen. Viele professionelle Trader orientieren sich dabei allein an bestimmten von ihnen bevorzugten Chartmustern.

Einen bestimmten Ausbruchstrigger gibt es dabei nicht. Es kann im Grunde eine Kopf Schulter Formation sein, ein Wimpel, eine Fahne, Doppel Hochs und Tiefs oder Dreiecke. Fundamentale Daten spielen bei der Beurteilung eher eine Nebenrolle, denn es wäre ohnehin schwer möglich zu hunderten von Aktienkursen die nötigen Hintergrundinformationen zu besitzen.

Manchmal bildet der Markt erst ein neues Hoch und entwickelt dann ganz allmählich einen neuen Trend. Aber der Trend kann auch sehr plötzlich daherkommen. Nachdem vielleicht gerade noch Allzeithochs erreicht wurden, sackt der Kurs plötzlich ab, um sich weiter short zu entwickeln. Wer hier gleich beim ersten Rücksetzer einsteigt, hat alles richtig gemacht. Doch wie gesagt, diese Anzeichen zu erkennen, ist die große Kunst. Es gibt dazu natürlich ein paar bestimmte Muster auf dem Chart, welche dabei helfen können, wie beispielsweise die Bowtie Pattern oder First Thrust Pattern. Grundsätzlich sollte ein solider Trend gesucht werden, der schon einen Pullback hinter sich hat. Wenn der Kurs den Trend wieder aufnimmt ist ein guter Zeitpunkt, um in den Trade einzusteigen. Natürlich sollte dieser mit einem Stopp abgesichert werden. Läuft es nach Plan, empfiehlt es sich einen Teil der Gewinne mitzunehmen. Für den verbleibenden Teil, welchen man drin lässt in der Hoffnung auf einen ganz langen Trend, wird der Stopp nachgezogen.

Limit- oder Stopp-Order beim Pullback Trading

Um den Einstieg zu finden, gibt es zwei Möglichkeiten. Eine Limit Order während des Pullbacks wäre eine davon. Doch Vorsicht, diese birgt auch gewisse Risiken. Als erstes könnte der Kurs vielleicht gar nicht weit genug zurückfallen, um die gesetzte Einstiegsmarke zu erreichen. Daraus würde natürlich kein finanzieller Verlust resultieren, aber man wäre einfach bei diesem Trade gar nicht dabei.

Pullback StrategieEin weiteres Problem der Limit Order ist die Tatsache, dass gegen den eigentlichen Trend getradet werden muss. Sie gehen also bei noch fallendem Kurs long und umgekehrt. Das ist immer ein gewisses Risiko. Des Weiteren besteht auch die Möglichkeit, dass der Kurs viel weiter zurückgeht als erwartet, bevor er dann in die gewünschte Trendrichtung wechselt. Unter Umständen würde also der zu nah gewählte Stopp-Loss schon das Ende des Investments bedeuten, bevor es überhaupt los ging. Auf der anderen Seite kann niemand in die Zukunft sehen und deshalb stehen für die Beurteilung des Stopp-Loss nur vergangene Punkte auf dem Chart zur Verfügung. Der Stopp-Loss könnte also durchaus auch zu groß ausfallen. Das Risiko/Chance-Verhältnis würde dann unter Umständen einfach nicht mehr passen.

Trotz der angesprochenen Risiken und Nachteile hat aber auch die Limit Order beim Pullback Trading so einige Fans, denn durch diese bekommen sie natürlich, wenn alles funktioniert, einen sehr günstigen Einstiegspreis.

Mit einer Stopp Order fühlen sich die meisten Trader aber sicherer. Diese wird erst gesetzt, wenn der Pullback bereits an der gewünschten Einstiegsmarke vorbei ist. Den besten Preis kann man dann natürlich nicht mehr erzielen, doch die angesprochenen Risiken minimieren sich dafür. Erst wenn der Pullback abgeschlossen ist und der Kurs wieder in die erwartete Richtung läuft, beginnt auch der Trade. Der Nachteil liegt hierbei aber in kurzen schnellen Kursschwankungen, die eventuell die Order auslösen, der Kurs sich jedoch trotzdem weiter erst einmal eine Weile in die falsche Richtung bewegt.

Wie bei jeder Strategie gilt es für jeden selber herauszufinden, mit welcher Vorgehensweise er besser zurecht kommt. Da spielt natürlich auch ein gutes Risiko Management eine Rolle. Ohne dieses funktioniert keine Strategie, denn auch das Pullback Trading hat natürlich auch Phasen in denen es einfach nicht so läuft wie erwartet.

Da spielen dann meist auch fundamentale Sachen ein Rolle. Professionelle Pullback Trader nutzen solch eine Strategie deshalb meist nicht, wenn diverse wichtige Wirtschaftsdaten veröffentlicht werden.


Bildmaterial: © VERSUSstudio/Fotolia

 

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