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Welche Art von Trading ist die richtige für mich? Eine Gegenüberstellung der 4 wichtigsten Varianten des Tradings

Bei der Frage, welche Art von Börsenhandel zu einem selbst passt, muss man sich zunächst mit den verschiedenen Stilen beim Börsenhandel auseinandersetzen. Denn hier kann es zuweilen erhebliche Unterschiede geben.

Während manche Händler einmalig Wertpapiere kaufen und diese Jahre lang liegen lassen, ohne nennenswert aktiv zu sein, gibt es andere, die wiederum mehrere Orders an einem einzigen Tag ausführen. Unter Scalpern beispielsweise ist es keine Seltenheit, dass an einem Tag bis zu 100 Positionen oder sogar mehr gehandelt werden. Hierbei ist nicht jede Art, an der Börse zu handeln, für jeden einzelnen Trader gleichermaßen geeignet. Wer beispielsweise neben dem Börsenhandel noch einem Hauptberuf nachgeht, wird zu wenig Zeit haben, um an einem Tag so viele Positionen zu handeln.

Im wesentlichen lassen sich die verschiedenen Stile nach vier verschiedenen Klassifikationen unterscheiden diese nennen sich Buy and Hold, Swing Trading, Daytrading und Scalping.

Der folgende Artikel soll die Vor- und Nachteile der verschieden Arten und Stile aufzeigen und dabei bei der Entscheidung helfen, welche Art des Börsenhandels für Sie am besten geeignet ist. 

Dabei ist die Zeit, die für den Handel aufgewendet werden muss, nur eines von vielen verschiedenen Kriterien, die bei der Entscheidung für einen bestimmten Stil zu rate gezogen werden sollten. In jedem Fall bedeutet Trading, dass eigenständig Entscheidungen getroffen werden müssen, die für die eigenen Finanzen große Bedeutung haben. Aus diesem Grund muss man sich im Vorfeld dezidiert damit auseinandersetzen, wie man an der Börse aktiv sein möchte.

Wichtige Faktoren bei der Beurteilung sind zum Beispiel die emotionale Belastbarkeit, innere Ruhe, die persönliche aufwendbare Zeit, Risikobereitschaft, das eigene Kapital, und vor allen Dingen die vorhandene Erfahrung am Aktienmarkt. Bei allen dieser vier wichtigsten Variationen ist natürlich das Ziel, Geld zu verdienen. Mitunter können die Strategien der Gewinnerzielung jedoch erheblich voneinander abweichen.

 

Buy and Hold

Bei dieser Art zu handeln werden von einem Trader bzw. Investor in der Regel Wertpapiere, meist Aktien oder Anleihen, gekauft und dann eine lange Zeit im Depot liegen gelassen, ohne diese zu verkaufen, oder anderweitig am Markt aktiv zu sein.

Der Gewinn wird hierbei dadurch erwirtschaftet, dass die Wertpapiere regelmäßige Erträge generieren, die in regelmäßigen Abständen auf das Konto des Händlers gutgeschrieben werden. Natürlich sollte auch beim Verkauf der Wertpapiere ein Gewinn übrig bleiben. Primäres Ziel bei dieser Art zu handeln ist es aber, über die lange Haltedauer regelmäßige Gewinne in Form von Dividenden und Zinsen zu erwirtschaften. Der Fokus liegt hierbei nicht auf den Kursgewinnen, die durch häufigen Kauf und Wiederverkauf der Wertpapiere generiert werden. Die benötigte Zeit des Handels an sich, reduziert sich bei dieser Variante auf ein absolutes Minimum. Es kommt nicht selten vor, dass selbst in Abständen von 10-20 Jahren nur extrem wenige bis gar keine Käufe oder Verkäufe stattfinden.

Das Risiko bemisst sich in diesem Fall größtenteils daran, welche Wertpapiere für einen solch langen Zeitraum ausgewählt werden. Die Langzeitperformance der einzelnen Wertpapiere beeinflusst den Erfolg der Strategie natürlich erheblich. die Erfahrung der letzten 200 Jahre hat jedoch gezeigt, dass selbst nach einem großen Crash der Markt innerhalb weniger Jahre wieder eine große Stabilität herstellen kann. Dies beeinflusst gleichzeitig auch den nächsten wichtigen Aspekt, die Emotion des Traders. Diese wird in manchen Fällen beim Buy and Hold, durchaus auf eine harte Probe gestellt. Es ist nicht auszuschließen, dass Aktien Investments im Falle eines globalen Börsencrashs um bis zu 50 % nachgeben. In einem solchen Fall kann sich die Dauer des Verlustes einige Jahre hinziehen. Hier ist seitens des Händlers echte Nervenstärke gefragt, damit der Verlust nicht realisiert wird, und der Händler trotzdem an seinen Wertpapieren festhält und den Buchverlust aussitzt, um auf bessere Zeiten zu warten. Nachteilig ist es hier, dass nicht von fallenden Märkten profitiert werden kann. Short bedeutet für Buy and Hold Investoren Verlust. Dagegen kann der Händler jedoch seinen persönlichen Zeitaufwand auf ein absolutes Minimum reduzieren.

 

Swing Trading

Auch beim Swing Trading werden Wertpapiere für einen etwas längeren Anlagezeitraum erworben. Der Zeitraum, in dem die Wertpapiere gehalten werden, beschränkt sich jedoch in der Regel auf wenige Tage, Wochen oder Monate. In den seltensten Fällen werden die Papiere mehrere Jahre gehalten. Der Fokus liegt hier lediglich in der Gewinnerzielung durch Preisunterschiede bei Kauf und Verkauf. Erträge in Form von Zinsen oder Dividenden sind hier nebensächlich bis vollkommen unerheblich. Beim Swing Trading können grundsätzlich alle Anlageklassen zum Einsatz kommen. Während sich beim Buy and Hold eigentlich nur Aktien oder Anleihen eignen, können für Swing Trading auch Hebelprodukte und Forex in Betracht kommen. Die Zielrichtung beim Swing Trading ist, einen Trend mitzunehmen. Die Langzeitperformance eines Wertpapiers spielt hier eine eher untergeordnete Rolle. Dabei können jedoch trotzdem auch große und sehr lange Trends gehandelt werden.

Ein wesentlicher Unterschied zum Buy and Hold ist es, dass die fundamentale Analyse des Wertpapiers grundsätzlich keinen Einfluss auf die Kaufentscheidung des Traders hat. Lediglich der aktuell vorherrschende Trend entscheidet über eine Order. Aus diesem Grund eignen sich hier Hebelprodukte besonders gut, um im Zeitraum des anhaltenden Trends große Gewinne einzufahren. Hiermit steigt jedoch das kurzfristig eingegangene Risiko im Vergleich zur ersten Variante deutlich.

Die Zeit, die zum Handeln aufgewendet werden muss, ist bereits deutlich höher anzusetzen. Trotzdem können mehrere Tage oder Wochen, oftmals sogar Monate, vergehen, ohne dass die Position geschlossen wird. Während sich Buy and Hold nicht für Forex Märkte eignet, können beim Swing Trading durchaus auch Währungen gut gehandelt werden.

 

Daytrading

Beim Daytrading sind die eingegangenen Positionen nur noch im Bereich von einem bis zwei Tagen. Länger als zwei Tage wird eine Position in der Regel nicht gehalten. Sehr oft werden hierfür Hebelprodukte verwendet, um aus einer relativ kleinen Preisänderung trotzdem große Gewinne heraus ziehen zu können. Während eine lange Preisänderung, über einen langen Trend, auch ohne einen Hebel einen großen Gewinn bedeuten kann, müssen für kurze und kleine Änderungen große Summen investiert werden. Hier kommt es auf den persönlichen Geschmack des Händlers an. Gegenstand des Daytrading sind meistens Währungen oder CFDs.

Um auf Dauer erfolgreich zu sein, ist ein hohes Maß an ständiger Weiterbildung erforderlich. Die ständige Auseinandersetzung mit den präferierten Märkten setzt voraus, dass der Trader viel Zeit zum Handeln hat. Wenn Sie hauptberuflich tätig sind, und dementsprechend wenig Zeit haben, sich mit den Finanzmärkten zu beschäftigen, empfiehlt sich das Handeln von länger ausgeprägten Trends. Sie reduzieren damit das Risiko häufiger Fehlentscheidungen. Vorteil beim Daytrading ist die Möglichkeit, an vielen verschiedenen weltweiten Märkten gleichzeitig aktiv zu sein und somit wesentlich mehr Chancen nutzen zu können. Die Frequenz der eingegangenen Positionen sichert dem Daytrader eine ständige Aktivität am Markt. Wenn Sie gerne Charts analysieren und sich einen hochfrequenten Handel zutrauen, ist Daytrading wahrscheinlich der richtige Weg für Sie.

Ihnen steht die ganze Palette an Finanzinstrumenten zu Verfügung, um in kurzen Abständen auf vielen verschiedenen weltweiten und sehr attraktiven Märkten Geld zu verdienen. Beachten sollten Sie, dass beim Daytrading der Kostenfaktor, der für die vielen eingegangen Positionen relevant wird, nicht unterschätzt werden darf. Aus diesem Grund ist hier die Wahl der Bank oder des Brokers nicht unwichtig.

Unter den meisten Tradern ist dies wohl die beliebteste Art, zu traden. Sie eröffnet die meisten Möglichkeiten, ohne dabei von längeren Entwicklungen abhängig zu machen. Für einen Swing Trade muss ein übergeordneter Trend vorherrschen, der überhaupt getradet werden kann. Dazu kommt, dass es nicht im Sinne jedes Traders ist, nur eine einzige Position zu traden, da die Trades oftmals schwerfällig sind und sich lange kein deutlicher Gewinn einstellt. Natürlich stimmt am Ende zwar auch die Gewinnquote eines Swing Traders, emotional kommen aber viele Trader einfach besser damit zurecht, am Ende des Tages alle ihre Positionen glattgestellt zu haben.

Wenn Sie also besser damit schlafen, nachts nicht in irgendeinem Markt investiert zu sein, sind Sie nicht der Typ für Buy and Hold oder Swing Trading und sollten lieber Daytrading betreiben und abends Ihre Positionen schließen. Die Gesundheit geht vor.

 

Scalping

Beim Scalping wird eine Position geöffnet, während der Markt besonders liquide ist. In illiquiden Märkten ist Scalping nicht möglich. Je mehr „Unruhe“ und Bewegung im Markt ist, desto besser für Scalper. Denn diese beherrschen die oftmals so bezeichnete „Königsdisziplin“. Sie eröffnen Positionen, die manchmal nur eine Sekunde gehalten werden. In der Regel beträgt die Haltedauer beim Scalping nur wenige Sekunden bis Minuten. Wenn sich abzeichnet, dass in einem Markt oder einem Asset Bewegung herrscht, entweder durch veröffentlichte Nachrichten oder wenn eine Börse eröffnet, oftmals auch nach Wochenenden und Feiertagen, sind Scalper aktiv. Sie traden keine echten Trends, sondern meist nur Ausbrüche in long oder short Richtung und beenden ihre Position, wenn diese einige Pips im Gewinn ist.

Um aus diesen wenigen Pips einen ausreichenden Tagesgewinn zu erzielen gibt es zwei Möglichkeiten:

Handeln mit einem sehr hohen Hebel oder sehr viele Positionen an einem Tag handeln.

Diese Art zu traden ist nur etwas für Sie, wenn Sie sich bereits sehr gut mit Ihren favorisierten Märkten auskennen und die Reaktionen auf bestimmte Ereignisse gut abschätzen können. Auch wenn es nicht vorhersehbar ist, wie sich ein Markt verhält, gibt es doch gewisse Regelmäßigkeiten, die sich Trader zunutze machen können. Das eingegangene Risiko pro Position ist moderat, dafür muss aber auch die Quote stimmen, um einen Gesamtgewinn zu erreichen. Scalping ist kein Roulette. Es ist nicht umsonst kein Tradingstil für Anfänger. Scalper sind Profis, die wissen, was sie tun. Diese Art von Trading ist Ihnen daher wirklich nur dann zu empfehlen, wenn Sie der Ansicht sind, dass Sie den emotionalen Stress aushalten, wenn Sie viel Zeit haben, dauerhaft in vielen verschiedenen Märkten aktiv zu sein, wenn Sie die Konzentrationsfähigkeit eines Fluglotsen besitzen und vor allem, wenn das ständige Handeln Ihnen wirklich Spaß macht.

Trading Art Scalping
EUR/USD Minutenchart

Der Alltag eines Scalpers besteht aus dem Auswerten von hunderten derartiger Gelegenheiten. Hier fiel der EUR/USD innerhalb von 5 Minuten um 30 Pips, nachdem eine Wirtschaftsnachricht veröffentlicht wurde. Diese Analysen müssen jederzeit minutenaktuell und in vielen verschiedenen Märkten getroffen werden. Die Position wird entsprechend extrem schnell eröffnet und wieder geschlossen.


Bildmaterial: © Stasique – Fotolia.com

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