Daytrading Fragen
Strategien & Wissen

Warum willst du Trader werden? Einer der wichtigsten Fragen!

Der Traum „Trader werden“ klingt vielversprechend und verlockend. Keine festen Arbeitszeiten, flexible Zeiteinteilung und Gehalt nach oben offen. Wo schicke ich meine Bewerbung hin?

Werfen wir einen genaueren Blick auf die fantastische Jobbeschreibung und denken kurz über die Punkte nach. Es ist zwar richtig, dass Trader in ihrer Zeiteinteilung völlig freie Hand haben. Erst um 10:00 Uhr aufstehen und um 14:00 Uhr als Ausgleich schon wieder Feierabend machen? Kein Problem.

Als Trader – und wir reden hier von einem Vollzeit-Trader – kann man beliebig viel oder wenig Zeit in seine Analysen stecken. Danach ist der Trade in wenigen Sekunden platziert und man hat im Grunde nichts weiter zu tun, als zuzuschauen.

Dennoch sind die Arbeitszeiten nicht völlig frei wählbar, jedenfalls nicht, wenn man die Nachrichten mit im Auge behält. Durch die verschiedenen Zeitzonen der einzelnen Börsen ist der Währungsmarkt von Montag bis Freitag durchgehend geöffnet. In diesen 120 Stunden kann einiges passieren, je nachdem wann und was auf der Welt vor sich geht.

Erfolgreicher Trader werdenWer Trader werden will und einen der etlichen Wirtschaftskalender verfolgt, wird schnell die üblichen Uhrzeiten herausfinden, zu denen die wichtigsten Nachrichten rauskommen. Zu diesen Uhrzeiten sollte man den Markt zumindest kurz im Blick haben, um gegebenenfalls Positionen gegen unvorhergesehene Schwankungen abzusichern oder gar ganz zu schließen.

Ein weiterer Trugschluss für Neuanfänger ist das vermeintlich unbegrenzte Einkommen, das ein Trader erzielen kann. Stimmt, rein theoretisch liegen die Limits hier so hoch, dass der Durchschnittstrader nie auch nur in die Nähe davon kommt. Praktisch hat das Ganze einen kleinen Haken, denn hohe Gewinne sind mit hohem Risiko verbunden. Ein hohes Risiko kann nur der eingehen, der das entsprechende Kapital hat. Das bedeutet, Sie müssten ohnehin bereits ein recht ansehnliches Gehalt und/oder Startkapital mitbringen, um die erhofften Traumgewinne erzielen zu können.

Selbst wenn Sie all das haben, bleibt immer noch die Frage offen, ob Sie mit Ihrer Analyse vom Markt richtig liegen, denn ansonsten fängt der Monat direkt mit roten Zahlen an.

Damit wären wir auch direkt beim nächsten Punkt. Ein Trader hat niemals ein sicheres Einkommen, denn wie viel Sie verdienen hängt davon ab, wie viel Kapital Sie bereit sind zu riskieren, wie viel Zeit Sie in die Analysen stecken und wie viele Positionen Sie eröffnen. Danach ist es zu einem gewissen Grad reine Glückssache, denn der Markt agiert nicht immer logisch.

Kein Trader wird eine lückenlose Gewinnsträhne vorweisen, seien Sie sich also bewusst, dass Verluste zwangsweise zum Geschäft gehören. Ein weiterer Punkt auf der Liste der Eigenschaften, die ein Trader zwingend benötigt, ist die Disziplin. Hohe Gewinne verleiten gelegentlich zu Anfällen von Gier, welche wiederum dafür sorgt, dass das Money Management ignoriert wird. Das führt früher oder später zu großen Verlusten. Im schlimmsten Fall geht es eine Weile gut, denn dadurch prägt sich die falsche Herangehensweise als profitabel in Ihr Gehirn ein. Psychologie spielt eine große Rolle im Trading.

Beim Handeln kommt es darauf an, dass der Trader eine oder mehrere fest vorgeschriebene Strategien verfolgt, die ihm genau sagen, wann wie und warum er in den Markt ein- oder aussteigt. Handeln ohne Strategie ist in etwa so effektiv, wie ins Casino zu gehen. Mit etwas Glück gewinnt man, mit etwas mehr Glück schafft man rechtzeitig den Absprung und wenn es doch schief geht, verliert man alles.

Sie fragen sich vielleicht, warum Trading hier eher negativ beschrieben wird. Verstehen Sie mich nicht falsch, Trading kann ein ausgezeichneter Nebenverdienst sein, für manche ist es sogar das Grundeinkommen. Trader – vor allem ein erfolgreicher – wird man aber nicht über Nacht. Man muss wie immer zunächst die Grundlagen erlernen und beherrschen, danach Strategien finden oder entwickeln, mit denen man langfristig arbeiten kann und dann über Jahre hinweg diese Strategien perfektionieren, verinnerlichen und bis zum kleinsten Detail verfolgen, ohne davon abzuweichen oder Ausnahmen zu machen. Trading wird viel zu häufig als einfache Methode zum Gelderschaffen dargestellt, die ohne Arbeit riesen Gewinne verspricht. Das ist, wie gesagt zwar theoretisch möglich, praktisch aber kaum umsetzbar, mit hohem Risiko verbunden und erfordert einiges an Fachwissen und ein gutes Gespür für den Markt.

Dieser Artikel soll Sie keineswegs davon abhalten ein Trader zu werden, wenn Sie sich Ihrer Sache sicher sind. Vielmehr soll er die unangenehmen Nebenwirkungen des Tradings verdeutlichen, damit Sie nicht unvorbereitet ins kalte Wasser springen.

Welche Eigenschaften und Vorrausetzungen sollte ein Trader mitbringen?

Die folgende Checkliste kann Ihnen als Anregung dienen, wie die ersten Überlegungen und Schritte in Richtung Trader werden aussehen sollten.

  • Habe ich genügend Startkapital, dessen kompletten Verlust ich problemlos verkraften kann?
  • Habe ich die Zeit und den Willen, mich mit den Grundlagen und der Materie auseinanderzusetzen?
  • Kann ich meine Emotionen gegen Null gehen lassen und mich weder von großen Gewinnen oder Verlusten aus der Ruhe bringen lassen?
  • Habe ich die nötige Zeit und Lust mich täglich mit den gleichen Charts auseinanderzusetzen und sie auf mögliche Einstiegspunkte hin zu analysieren, ohne dabei aus Langeweile und Unlust Schritte auszulassen?
  • Habe ich die nötige Disziplin, um meine Strategie von vorne bis hinten zu befolgen, unabhängig davon, was der Markt gerade macht?
  • Habe ich einen Notfallplan, einen sicheren Job oder genügend Rücklagen, falls ich partout als Trader scheitere und mich anderweitig orientieren muss?
  • Kann und will ich mit der Belastung umgehen, dass jeder Monat ohne Einnahmen enden könnte, wenn nicht gar mit einem Verlust?
  • Kann ich auch mehrere Monate ohne Einnahmen auskommen, ohne in existenziell bedrohliche Lagen zu geraten?

Diese Checkliste solle durchweg mit „Ja“ beantwortet werden, zumindest wenn Sie planen Ihren gesamten Lebensunterhalt durch Trading zu finanzieren.

Wenn Sie Trading hingegen eher als Kapitalanlage nebenbei betrachten möchten, müssen nur die ersten drei Punkte mit „Ja“ beantwortet werden. Für Anfänger ist das durchaus die sinnvollere Alternative, denn Vollzeittrader müssen zwangsweise genau wissen, was sie tun, da sie ansonsten ihr gesamtes Kapital und somit ihr Arbeitsmaterial in wenigen Minuten vernichten könnten.

Das klingt vermutlich recht abschreckend für den Anfang, soll Ihnen aber keine Angst machen. Seien Sie sich nur immer bewusst, dass Trading kein Spiel ist. Es geht um echtes Geld. Dadurch, dass die meisten Produkte gehebelt werden, können Sie Summen bewegen, die Ihre Einlage um ein vielfaches übersteigt, dementsprechend schnell können große Summen entstehen oder verschwinden.

Sie sind noch da?

Gut! Das heißt, Sie haben den Inhalt des Textes verstanden und sich dennoch nicht von der Idee abbringen lassen. Die nächste Frage auf der Liste ist dann wohl „Wie und wo fange ich an?“.

Der erste Schritt ist recht schnell erledigt. Suchen Sie sich einen beliebigen Broker heraus und eröffnen Sie ein Demokonto. Dazu ist in der Regel weder eine Validierung ihrer persönlichen Daten, noch eine Einzahlung nötig. Falls dem doch so seien sollte, suchen Sie sich gleich einen neuen Broker, denn das ist nicht seriös.

Demokonten bieten Ihnen einen enormen Vorteil. Sie simulieren die realen Marktgeschehnisse und stellen Ihnen kostenlos Spielgeld zur Verfügung. Sollten Sie den Kontostand vernichten, ist Ihnen kein realer Schaden entstanden und Sie können einfach ein weiteres Demokonto eröffnen. Ziel dieser Konten ist es, sich mit der Trading-Plattform, dem Markt an sich, der Auswirkung von Nachrichten auf den Markt und generell den Begrifflichkeiten und Funktionen des Handels vertraut zu machen. Zudem kann man damit wunderbar Strategien auf Hieb- und Stichfestigkeit testen, ohne Kapital zu riskieren. Sie sollten sich nur von Anfang an selbst den Gefallen tun, und das Demokonto so betrachten, als würden Sie mit echtem Geld handeln. Nur zu oft hört man von „Demokonten-Königen“, die zu Echtgeld-Konto wechseln und ihr Kapital umgehend vernichten. Das liegt schlichtweg daran, dass Spielgeld eben keinen Wert hat und demnach auch nicht mit Vorsicht behandelt wird. Hier schleichen sich ganz schnell falsche Muster in das eigene Verhalten ein.

Sobald Sie die Plattform und Begrifflichkeiten durchschaut haben, geht es daran sich die Grundlagen anzueignen. Im Internet findet man zuhauf Ratgeber in Sachen „Trading Grundlagen und erste Schritte“. Wenn Sie stattdessen lieber Unterricht haben, so findet man auch allerhand Seminare zu dem Thema. Diese fangen bei wenigen Euros an und können schnell in die Tausende gehen, für den Anfang dürfte die kostengünstigste Variante völlig ausreichen, denn fast alle Seminare wiederholen zu Beginn die Grundlagen des Tradings.

Wenn auch hier genügend Informationen gesammelt wurden und das Demokonto lange genug ohne Totalschaden gehandelt wurde, können Sie sich am echten Markt versuchen. Stellen Sie bei der Wahl des Brokers sicher, dass dieser „Negative Balance Protection“ bietet. Dieser Schutz versichert Ihnen, dass Sie nie mehr als die gesamte Einlage verlieren können. Im schlimmsten Fall ist also das Investment weg, Sie werden aber nicht mit der schlechten Nachricht aufwachen, dass Sie dem Broker eine ordentliche Summe Geld schulden.

Sie wollen also weiterhin Trader werden?

Gut. Sie wissen nun, was auf Sie zukommen kann. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg auf diesem Weg!

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