CFD's auf Aktien
Strategien & Wissen

Wie funktionieren CFD’s auf Aktien?

Zur Begriffsdefinition: CFDs sind Differenzkontrakte, englisch „contract for difference„. Man spekuliert damit auf Kursänderungen von Werten, unter Währungen, Gütern, und Staatsanleihen auch auf Aktien, ohne diese wirklich zu besitzen. Diese Form des Handels gibt es noch nicht sehr lange, sie wurde erst Anfang der Neunziger Jahre am Londoner Handelsplatz erfunden für den Gebrauch durch Hedge Fonds, wo man sich die Notwendigkeit, nur einen Teil der Investition einsetzen zu müssen (Leverage), sowie die Steuerersparnis durch Umgehung der geltenden Anwendungsregeln bei echten physischen Besitzübergaben (die ja hier fehlten) auszunutzen verstand.

Am Ende des Jahrzehnts hielt das CFD Trading dann Einzug auf dem breiten Markt der Börsenspekulation, nicht zuletzt durch die Online-Tradingportale. Natürlich haben die Steuerbehörden vieler Länder inzwischen begonnen auch diese Transaktionen steuerlich zu erfassen und zu reglementieren, die Wildwestphase der Anfangszeit ist also vorüber.

Keine inneren Werte bei CFD’s

Wirklicher Besitz wird also nicht erworben und damit entfallen Gebühren, die aus einem tatsächlichen Besitz heraus erwachsen würden. Der Spekulant ist gleichwohl verpflichtet, seine Gewinne aus dem CFD-Handel bei seiner Steuererklärung anzugeben (seit 2009: Abgeltungssteuersatz 25 % erhoben). Da man keinen wirklichen Besitz erwirbt, verfügt man auch nicht über Rechte darüber (etwa, ob aus einem Posten Getreide Lebensmittel oder Bio-Sprit gemacht werden soll/darf). Die Spekulanten im Handeln mit CFDs platzieren nicht einmal Gebote, die an der tatsächlichen Börse Eingang finden und dort ‚spürbare Auswirkungen‘ haben könnten. Der Handel spielt sich gewissermaßen in einem Paralleluniversum ab, allein auf der Trading Plattform.

Hebelwirkung bei CFD’s auf Aktien – Gesetze außerhalb der Physik

Hebel bei CFDs

Der mit CFDs handelnde Spekulant kann darauf spekulieren, ob eine Aktie im Wert fällt oder steigt. Wie sich ihr Kurs dann in einem abgesteckten Zeitraum entwickelt, entscheidet, ob er Ansprüche erwirkt auf einen Gewinn oder ob er Verlust macht. Es verhält sich so wie mit den Prophezeiungen eines Propheten. Treffen sie ein, erntet er die Belohnungen. Liegt er falsch, hat er mit den negativen Konsequenzen zu leben. In der Praxis: Sie kaufen eine Anzahl CFDs von einer Aktie, von der Sie glauben dass sie im Wert ansteigen wird. Steigt die Aktie tatsächlich, erzielt ihre Wette einen Gewinn. Fällt der Aktienkurs, gehen Sie auch einen Verlust Ihres Investments ein. Das wäre jetzt kein Unterschied zum tatsächlichen (physikalischen) Aktienhandel, wenn Sie die Aktien denn auch wirklich besäßen. Das tun sie aber mit CFDs nicht. Und es kommt auch nicht der volle Kaufpreis für Sie sofort zum Einsatz, Sie eröffnen den Handel mit Ihrem Position praktisch nur mit einem sehr niedrigen Prozentsatz. Dieser zu hinterlegende Prozentsatz wird Marginsatz genannt. Das Operieren mit einem Marginsatz statt mit dem vollen Einsatz ist das Handeln mit Hebeln (englisch Leverage genannt) – eine Hebelwirkung geringerer Kräfte (der Prozentsatz des Teilbetrags des eigentlich eingesetzten Kapitals) mit großer Wirkung (Konsequenzen für Ihr gesamtes nominal eingesetztes Geld) wird entfaltet. Das ist vom Handel mit Optionsscheinen her schon bekannt, aber bei CFDs entfallen die Preisfaktoren des Optionsscheines; Restlaufzeit, Basispreis, Volatilitätseinfluss. Man muss das im Auge behalten, da insbesondere bei Verlusten der Überblick verloren werden kann über das tatsächliche Ausmaß der Verluste, wenn man sich angewöhnt hat nur noch die Leverage-Beträge zu sehen. Denn man sollte sich nicht zur Illusion hinreißen lassen, dass ein Verlust nur so hoch ist wie der hinterlegte Margin – der steht nur stellvertretend für den gesamten Einsatz. Zur Beruhigung: es werden auf Onlinetrading-Plattformen Werkzeuge angeboten, mit denen sich automatische Sicherungen einstellen lassen, die bei einer Voreinstellung zu greifen beginnen, um die Verluste in Maßen zu halten. Der Differenzkontrakt CFD verfällt im Gegensatz zum Optionsschein-Handel automatisch, sobald eine vereinbarte Knock-out-Barriere durchbrochen wird. Dazu unten weitere Ausführungen.

Long oder short?

Zwei Kurse zeigen bei CFDs die Differenz zwischen Einkaufspreis und Verkaufspreis einer Aktie an, die Differenz wird Spread genannt. Welchen der beiden Kurse man verwenden wird, hängt davon ab, ob man auf Verlust oder auf Gewinn der Aktie spekuliert. Erwartet (oder hofft) man, dass sie fallen wird, verwendet man den Verkaufspreis. Sollte der Kurs der Erwartung nach ansteigen, nimmt man den Kaufpreis als Grundlage. Es kann je nach CFD-Broker vorkommen, dass nach Höhe Ihres Einsatzes verschieden hohe (Positions)Margins verlangt werden. In der Trading-Sprache wird das Spekulieren auf einen Verlust der Aktie unter Verwendung des Verkaufskurses „short gehen“ genannt, das Gegenteil eines Wettens auf den Anstieg der Aktie über Ankaufskurses heißt „long gehen“.

Nebenkosten

Bei Berechnungen über Gewinn und Verlust ist auch zu bedenken, dass für den Trader eine Kommission anfällt, und zwar unanbhängig davon ob Sie Gewinn oder Verlust machen. Haltekosten, auch Swap-Kosten genannt, sind Gebühren wenn Ihr Geschäft über den Zeitpunkt des Börsenschlusses dieses Tages hinausläuft und darum eine Gebühr von Ihnen verlangt wird, die nach dem Referenzzinsatz der Währung, in der die Aktie gehandelt wird, bemessen wird. Sollten Sie Ihren Einsatz vorfinanziert haben, fallen dafür natürlich auch Kosten (Kreditzinsen) an. Solche CFDs, die auf Aktien oder z.B. Indizes laufen, erzeugen Provisionen für den Broker. Andere Formen von CFDs (also auf Währungen, Rohstoffe, Staatsanleihen) dagegen nicht.

Der CFD-Broker ist kein Kreditgeber

Überhaupt wird ein CFD-Broker nichts geschehen lassen, was ihrem Charakter zuwiderläuft und sie etwa zu einem Kreditinstitut wider Willen umfunktioniert. Daher wird man erwarten, dass für alle Eventualitäten immer ausreichend Guthaben auf Ihrem Tradingkonto geparkt ist. Dafür sieht der Broker das Werkzeug der ‚Glattstellung‘ vor. Sobald der Kontobestand des Spekulanten unter einen bekannten Prozentsatz des Glattstellungslevels fällt, kann es geschehen, dass Positionen geschlossen, also in der Trading-Sprache ‚glattgestellt‘, werden.

Miteinander kombinierbare automatische Sicherheitsventile

Mit CFD’s auf Aktien lassen sich Anlagedepots mit längerfristiger Ausrichtung absichern. Durch zusätzliche Verfügungen bei der Orderung kann man wirklich üble Überraschungen ausschließen, indem voreingestellte automatische Handelsentscheidungen einsetzen, wenn die Voraussetzungen dafür in der Kursentwicklung erfüllt werden. Wie in einem Computerprogramm werden ‚Befehlsketten‘ gebildet aus mehreren Elementen, um genau auf ein beabsichtigtes Marktszenario die passende Aktion abzustellen. So gibt es die ‚Limit‘- Verfügung (wird ausgeführt bei Erreichen des festgelegten Limitkurses kleiner/größer gleich Limit) und die ‚Stop‘- Verfügung (weiter aufgeschlüsselt in Stop Loss/Stop Buy Orders), womit eine Order ausgeführt wird bei Erreichen einer Notierung über/unter dem aktuellen Kurs, noch weiter differenzierbar in Short Position Stop Buy oder Long Position Stop Sell. Damit lassen sich Verluste offener Positionen im Handel vorausschauend begrenzen. Der ‚Trailing-Stop-Loss‘ ist eine dynamische Stopp-Verfügung. Damit wird eine Stop-Order dem Kurs angepasst, wenn ein neues Hoch oder Tief erreicht wurde – das ist die dynamische Absicherung, mit der man hofft den Ausstiegszeitpunkt trotz Nachverfolgen des Markttrendes nicht zu verpassen. Weitere Werkzeuge sind die If-Done-Order (eine zweite Order wird erst nach Ausführung/Auslösung einer ersten Order aktiviert) und die Oco-Order (One-cancels-Other = eine entweder-oder Verfügung), welche auch wieder miteinander kombiniert werden können.


Bildmaterial: © talitha/Fotolia; © VERSUSstudio/Shutterstock

 

Das könnte Sie auch interessieren

Wie wichtig sind Auszeiten vom Trading?

Rudolf T.

Social Trading als Anlagestrategie 2.0

Rudolf T.

Daytrader werden – so gelingt der Weg zum Vollzeit-Trader

Rudolf T.
>